Freitag, 4. Mai 2012

lost in Cody

Wir haben das schöne Utah verlassen und sind auf dem Weg nach Norden zum Yellowstone National Park. Wir mussten feststellen, dass es hier doch wesentlich kühler ist als gedacht und die Rocky Mountains immer noch viel Schnee haben. So macht das Aufstehen nicht gerade Spaß aber die Aussichten sind ganz toll. Wir sind östlich an den Rockys vorbei Richtung Norden und haben den "wilden Westen" aus Karl May und verschiedenen Western "erfahren". In Lander einer Kleinstadt im Westen Wyomings verbrachten wir einen schönen Tag im Sinks Canyon, wo man toll klettern kann. Nur war der Wind zu stark und wir hatten nicht wirklich Spaß und haben uns entschlossen weiter zu fahren. Kurz hinter der Stadt sahen wir beim Vorbeifahren wie ein aus ganzen Baumstämmen gefertigtes Haus gebaut wird. Von einem Impuls geleitet bogen wir rechts ab und besuchten kurzerhand Jack und Patrick, die das Holzhaus für einen ihrer Kunden in Kalifornien bauen. Nach einem kurzen "Hallo" zeigten sie uns an einem kurzen Baumstamm wie die Fügetechnik funktioniert, so dass kein Spalt zu sehen ist. Die beiden waren super nett und haben uns viel erklärt von ihrer Arbeit und es war toll zu sehen und zu hören wie sehr sie ihre Arbeit mögen. So haben wir sie dann auch glatte zwei Stunden von der Arbeit abgehalten.
Eigentlich wollten wir durch den Südeingang in den Yellowstone aber dieser macht erst am 11 Mai auf. So sind wir Richtung Cody da man von dort den Osteingang erreicht, der heute am 4 Mai, öffnet. Aber ersten läuft es anders und zweitens als man denkt: unser Dicker nörgelt mal wieder... Wir sitzen gerade in Cody fest, da unsere Wasserpumpe extrem ungute Geräusche von sich gibt und beim Durchdrehen per Hand sehr arg verhakt. Also haben wir in Deutschland eine Neue bestellt und hoffen, dass Sie bald eintrifft. Da, wie's das Schicksal so will,
Freitag ist, haben wir viel Zeit um mal wieder zu lesen oder unsere Fotos zu sortieren. Leider ist der Schaden nicht in Lander eingetreten, da hätten wir jetzt toll klettern können aber man kann sich seine Pannen ja nicht aussuchen. Wir sind frohen Mutes und genießen die amerikanische Kleinstadt: heute morgen seit 7 Uhr im McDonalds mit unglaublich vielen Rentnern, die sich zum Kaffeeklatsch hier treffen.
Bis demnächst...

Sonntag, 29. April 2012

USA 4x4


Wir haben ja strassentechnisch ja schon vieles erlebt und waren auf die USA via Teer eingestellt. Aber weit gefehlt. Was wir in den letzten Wochen hier erleben dürfen, erfreut unser Camper-, Natur-, und Offroadherz. Camperherz, weil es hier für uns Unmengen von wilden Schlafplätzen gibt, die wir mit Leichtigkeit finden und die wirklich jedes Mal schön sind.

Naturherz, weil wir zwei super schöne, menschenleere Naturparks besucht haben: Die Coyote-Buttes-Wildnis: ein Arenal, das man nur mit einer Sondererlaubnis besuchen darf, von der am Tag nur zehn übers Internet und zehn morgens über eine Lotterie vergeben werden. Somit sind unglaublich wenige Menschen dort unterwegs und die Natur ist nahezu unberührt. Wir bewanderten die Gegend einen Tag lang und verbrachten dort die Nacht mit unserem Dicken.

Weiterhin erfreute unser Naturherz der Buckskin-Gulch-Canyon. Dieser Canyon ist aus so weichem Sandstein, dass das Wasser sich sehr tief in den Fels rein fressen konnte. Wir betraten den Canyon durch den „Middle Trail“, der noch so naturbelassen ist, dass wir den Wanderweg und den Einstieg selber suchen durften, um in den Canyon einzusteigen. Als wir in Coyhaique unser Auto repariert 
haben, hat uns Milena, eine unserer „Gastschwestern“ einen Film empfohlen (ich glaub er hieß „128 Stunden“), in dem ein Typ über einen schmalen Canyon springt, dann in eben diesen reinfällt und sich seinen Arm in einem Felsen einklemmt. Ziemlich üble Geschichte, aber: in eben dieser Art von Canyon sind wir gewesen: super schmal (man konnte mit ausgestreckten Armen beide Felswände berühren) und eiskalt, weil die Sonne nur kurze Zeit bis auf den Boden scheint. Es war unglaublich schön zu sehen, wie die vom Wasser geformten Felsen von Sonne und Schatten umspielt wurden.

Ja und nun kommen wir zum Offroadherz:) Nachdem wir den Buckskin-Gulch verlassen haben, beschlossen wir querfeldein über den Grand Staircase (großes Treppenhaus) Nationalpark zu fahren. Dies ist ein riesiges Areal, das entstanden ist, als sich im Zuge der Plattenverschiebung das Coloradoplateau erhob. Ein Teil dieses Plateaus ist ein Gebiet voller Falten, Risse und Brüche, das Grand Staircase. Dort suchten wir uns eine Strecke mit dem unheilvollen Namen „Death Ridge Road“ (Todes-Rand-Strasse). Die Strecke hielt was sie 
versprach: sie war super schmal, voller Ausspülungen von starken Regenfällen, Löchern, Bäumen und Felsen, die im Weg lagen. Die Strecke war für mich als Beifahrerin so nervenaufreibend, dass kaum Fotos davon existieren... Jedenfalls kämpften wir uns tapfer 4-5 Stunden lang durch die Strecke und wurden am Ende mit einem wunderschönen Schlafplatz belohnt, mit Ausblick auf den gegenüberliegenden Bryce-Canyon. Als wir am nächsten Morgen weiterfuhren, fanden wir in entgegengesetzter Richtung ein Schild, das besagte, dass die Straße, durch die wir uns so mühsam gekämpft haben, für Autos gesperrt sei.
Nach dieser Nervenaufreibenden Aktion entspannten wir einen Tag lang am Pine Lake, besuchten den Bryce Canyon und das Capital Reef und machten uns dann auf den Weg zum Canyonlands Nationalpark um von dort nach Moab zu gelangen, der 4x4-/Offroad-Hochburg schlechthin. Keiner von uns beiden hätte gedacht, dass die Strecke so heftig werden würde: wir sind uns einig, dass es eine der drei krassesten Straßen war, die wir je gefahren sind. Und wir haben eine sehr wichtige Lektion gelernt: unser Dicker kann auch Stufen fahren: hoch UND runter. Die Stufen waren stellenweise kniehoch und am Abgrund. Die letzten 2-3km führten über ein felsiges Flussbett. An dieser Stelle muss ich sagen, dass Claus sich da echt allerhand getraut hat, ich hatte ordentlich die Hose voll und war ehrlich froh, dass nicht ich dran war mit fahren. Dazu gibts bei uns eine Neuerung: Ich habe unseren Abstieg gefilmt (so weit das ging), die Videos sind hier zu finden. Witziger weise trafen wir kurz darauf in Moab zwei Jungs, die nach uns die gleiche Strecke gefahren sind, allerdings mit zwei Vollkrossmaschinen (HP2 und KTM690). RESPEKT!
 
Das war ganz schön viel Aufregung für eine sehr kurze Zeit. Heute schauen wir uns noch Moab an und machen uns dann auf den Weg in den Norden.

Donnerstag, 26. April 2012

Mal von oben, mal von unten: Grand Canyon und Zion



Nach fast 5 Tagen auf den Highways kommen wir nun endlich nach Arizona und Utah, wo uns die beeindruckenden und vielfarbigen Canyons, Kliffs und Ebenen erwarten.
Die Vielfalt hat ihren Grund, wie wir uns im Grand Canyon Besucherzentrum aufklären lassen: Die riesige Fläche um Arizona, Utah und Colorado war vor vielen hundert Millionen Jahren eine einzige Wüste. Dieses Meer aus Sand wurde einige male mit einem Meer aus Wasser und dann wieder mit Urwäldern bedeckt. Bei diesen Jahrmillionen dauernden Prozessen sind bindende Sedimente im Sand Verbindungen eingegangen, die ihn unter hohem Druck versteinerten. Im letzten und noch andauernden Abschnitt hat vor allem Wasser die unterschiedlichen Schichten im großen und kleinen Stil freigelegt, weg- oder ausgespült und lässt so für unsere Augen die bizarrsten Landschaften entstehen.
Wir sind ganz gespannt was uns erwartet und fiebern unserem ersten großen Highlight entgegen, dem Grand Canyon:

Wir erreichen den National Park gegen Nachmittag und lassen uns auf dem Park eigenen Campingplatz nieder. Jetzt hält uns nichts mehr, wir wollen endlich den Blick von der Rim (Rand) in diese so oft gehörte Schlucht wagen. Wir erreichen den Rand bei eisigem Wind und sind schwer beeindruckt von dem was sich dort vor uns öffnet. Ein riesiger Riss, so scheint es, läuft hier von Ost nach West durch die Erde. Wir erkennen die unterschiedlichen Gesteinsschichten und lesen, das im Bett des Colorado River die älteste Schicht der Erde sichtbar ist, mit über einer Milliarde Jahren.

Leider ist der Wind eisig und das Licht für Fotos auch nicht so doll aber wir knipsen fröhlich drauf los. Wir spazieren gemütlich am Rand entlang bis die Sonne im Westen untergeht und fahren mit dem Shuttle Bus zurück zum Campingplatz. Am nächsten morgen sind wir sehr früh wach und fahren nach dem Packen mit dem Shuttle zum Ost- und zum Westende. Wir laufen jeweils einige Kilometer Richtung Mitte und der Canyon enthüllt uns seine unterschiedlichen Perspektiven. Leider ist es noch kälter geworden und wir frieren, obwohl wir uns schon wie die Zwiebeln eingepackt haben. Wir verlassen den Park am späten Nachmittag und schlagen unser Lager im angrenzenden National Forest auf.

Der Nächste Morgen bringt überraschenderweise 5cm Neuschnee und meine sich anbahnende Erkältung ist jetzt voll da. Wir bleiben noch etwas liegen und raffen uns schließlich auf um den nächsten Park zu besuchen...
Nach einer abwechslungsreichen Fahrt, Proviant-Einkäufen und einer Übernachtung in Schnee bedeckten Dünen treffen wir am Mittag des nächsten Tages im Zion National Park ein.
Die Einfahrt von Osten ist für uns wie ein Rausch. Die Sandsteinschluchten mit Nadelbäumen in den unterschiedlichsten Farben und Formen rauben uns den Atem. Nach einer zwei Kilometer langen Tunneldurchfahrt kommen ihr ins eigentliche Ziontal und stehen wieder mal mit offenen Mündern vorm Landy und sind hin und weg von der Aussicht. Vor uns eine gigantische Schlucht mit weißen und roten Felsen, die Schneeschmelze lässt Wasserfälle von den steilen Klippen strömen und im Grund windet sich lässig ein Fluss. Wir fahren die gewundene Zufahrtsstraße bis zur Talsohle und kommen uns ganz klein vor zwischen den hohen, steilen Wänden.
Auch hier gibt es das Shuttle Bus System, was wir erst für seltsam hielten aber immer mehr zu schätzen lernen, da dadurch keine Automassen die Natur und das Naturerlebnis trüben.

Am Nachmittag machen wir uns auf und erkunden den „hidden Canyon“. Eine abenteuerliche Wanderung durch einen 2-6m breiten Canyon verschönert uns die Zeit. Am Abend suchen wir uns außerhalb des Parks auf einer staatlichen Flächen, auf dem Kampieren erlaubt ist, einen Schlafplatz. Am kommenden Tag wollen wir zum „angle landing“ Punkt, da man von dort einen tollen Blick über und in den Canyon hat. 

Der Aufstieg ist nicht ganz einfach und wir sind begeistert was man in Amerika so alles für die Öffentlichkeit zugänglich macht. Der Aufstieg ist teilweise nur mit einfachen einseitigen Halteketten gesichert und ist auf dem immer mit Sand bedeckten Steinen nicht einfach. Wir reichen sicher unser Ziel und genießen die Aussicht. Dabei entdecken wir noch zwei Waghalsige Kletterer, die eine ca. 600m lange Route senkrecht mit eigener Sicherung im Sandstein bewältigen. Einfach Wahnsinn.
Wir verlassen den Zion und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus...aber dazu später mehr.

Dienstag, 24. April 2012

Die ersten Tage in den USA


Bis zu dem Moment, als der letzte Beamte uns durchwinkte und uns viel Spaß in Texas wünschte, warteten wir darauf, dass irgendwas Schlimmes passiert. Bei dieser Grenze war selbst Claus nervös: Würden sie uns mit dem Dicken überhaupt reinlassen? Bekommen wir irgendwelche Auflagen, oder müssen Geld bezahlen, weil er so alt ist? Nehmen sie uns das Auto auseinander um es auf Drogen zu untersuchen? ---- Aber nein, nichts davon. Die Beamten waren bestimmt aber sehr nett, das einzige Ärgernis war die riesige Schlange an Menschen, die wie wir in die USA wollten. Aber dafür können die Amis nun wirklich nichts, oder?
Na und bis jetzt können wir sagen, dass wir es hier sehr nett finden: die Texaner brachten uns mit ihrem Akzent zum Schmunzeln und Zweifeln ob wir wirklich die gleiche Sprache sprechen; die Straßen sehen hier wirklich wie im Fernsehen aus: man kommt in ein Kaff mit 5 Häusern, durch das zweispurige Straßen führen; überall gibt’s die kleinen süßen Holzhäuser oder (noch amerikanischer): Wohnwagen XXXXL, die meisten in RV-Parks untergebracht und als Wohnhäuser und nicht nur zum Urlaub-machen gedacht.
Wir kommen in den Genuss von State-Parks: kleinen Parks, die entweder etwas Kulturelles oder ein schönes Stück Natur schützt. Man kann in ihnen für relativ kleines Geld campen und das Angebot geniesen.
Und natürlich die National Forests: Das sind Wälder, die dem Staat, gehören und die von jedem genutzt und zu unserer Freude auch mit dem Auto befahren werden dürfen. Selbstverständlich darf auch hier gecampt werden und das tun wir mit größtem Vergnügen. Das Schöne ist: auch die Amis sind mit ihren riesigen Wohnwagen leidenschaftliche Camper ABER: man sieht zwar ihre Autospuren, aber keine weiteren Hinterlassenschaften in Form von Müll. Wir sind ganz begeistert, wie sauber es überall ist, auch wenn kein Ranger da ist, der aufpasst, dass man seinen Müll mitnimmt. 
Nach den ersten beiden Wochen waren wir echt begeistert: nette Menschen, tolle und saubere Landschaften.

Dienstag, 17. April 2012

Von Mexiko Stadt nach Monterrey

 Wir hatten echt Glück, dass wir Alonso getroffen haben. Bei ihm reparierten wir nicht nur unser Auto, sondern lernten auch seine kleine Familie kennen, seine Frau Sara, die uns ein sehr willkommenes Gefühl gab, auch wenn wir unangekündigt das Wochenende „störten“ und seinen Sohn Daniel, der sich sofort in unsere Herzen gegrinst hat. Sie nahmen uns zu einer Tauffeier mit (die Aktion war so spontan, dass keine Fotos davon existieren) und als wir am Montag auf unsere Kupplungsscheibe warteten, machten sie mit uns eine Runde durch ihre Wohngegend. Am Abend vor unserer Abfahrt feierten wir auch noch feucht fröhlich bis 2 Uhr morgens.
Mit einem voll funktionierenden Dicken ging es dann endlich wieder on the road. Als erstes schauten wir uns die Monarchen-Schmetterlinge an. Die Saison ist zwar schon vorbei, d.h. sie hängen nicht mehr in riesigen Trauben an den Bäumen, aber dafür konnten wir zuschauen wie sie sich paaren und in trotzdem riesigen Schmetterlings-Wolken spazieren gehen. Danach waren wir nicht mehr zu halten: Wir hatten von andern Kletterern Tipps bekommen und auch selbst im Internet gelesen, dass man bei Monterey super Klettern kann. Also auf nach Portrero Chico, dem besten Klettergebiet Mexikos und einem der Top-Gebiete der Welt. Es war herrlich: Es gibt dort über 500 Routen mit bis zu 23 Seillängen, die Wände sind wunderschön, hoch und griffig, die Aussichten in den Canyon sind top. Wir waren mal wieder in der Nachsaison da, was einerseits schön war, weil wir den ganzen Kletterpark fast für uns alleine hatten. Andererseits wäre es auch schön, ein paar Leute aus der Umgebung kennenzulernen. Das Klettern machte jedenfalls so viel Spaß, dass wir von den ursprünglichen 3 Tagen auf eine Woche verlängert haben und dann auf zwei. Doch so gerne wir auch kletterten, wir waren auch schon ganz neugierig auf die USA. Würden sie uns überhaupt reinlassen mit unserem alten Dicken?

Sonntag, 25. März 2012

Lauter nette Leute


Auf einer Straße, an der Golfküste, wir suchten schon seit einiger Zeit erfolglos nach einem geeigneten Schlafplatz, sahen wir plötzlich am Straßenrand eine Familie an ihrem Auto stehen und mit allem winken was sie hatten. Wir hielten an und erfuhren, dass sie einen Motorschaden hatten. Also abschleppen. Im Auto saßen Ana-Maria mit ihrem Bruder Irneo, ihrer Mutter Doña Socorro, zwei Kinder von Irneo, eine Nichte und ein Neffe. Ana-Maria war so froh, dass wir angehalten haben, dass sie uns sofort anbot bei ihr zu übernachten. Damit hatten wir das Schlafplatzproblem gelöst. Wir schleppten sie gefühlte 100km ab. Angekommen gab es ein deftiges Abendessen aus Tortillas, Bohnenmus und wir quatschten noch recht lange in dem gemütlichen kleinen Wohnzimmer. Natürlich bekamen Claus und ich das größte Bett, dagegen konnten wir uns nicht wehren, wir haben es ehrlich versucht.
Leider hat bei der Abschleppaktion die Kupplung bei unserem Dicken den Geist aufgegeben. Was Claus hier beschrieben hat.
Gefangen in dem Kaff, in dem Ana-Maria wohnte, schlug ihr Bruder Irneo vor, dass wir auf seine Ranch mitkommen könnten. Von dort aus sei es nicht so weit in die nächste größere Stadt, nach Acayuca, wo wir vielleicht Ersatzteile bekommen könnten. Und bei ihm könnten wir bleiben, bis das Auto fertig ist. So fuhren wir am nächsten morgen, nach einem deftigen Frühstück aus Tortillas, Rührei und Bohnenmus, mit der ganzen Bande, bis auf Ana, die arbeiten musste, weitere 100 km bis nach Acayucan. 4 Erwachse, 2 Jugendlich und 2 Kinder, alle im Landy...
Auf der Rancho angekommen, erst mal Besichtigung: Irneo hat ein riesige Rancho, mit ein paar Kühen, mit zwei Eseln, einem Pferd, einem Schwein, Hunden und einer kleinen Mieze-Katze. Da haben wir dann das Auto zu reparieren versucht. Das Ergebnis war, dass wir nach 4 Tagen mit einer immer noch kaputten Kupplung und einem neuen Mitbewohner, einer Maus, Irneo verließen. Die Maus fühlte sich so richtig wohl bei uns, flitzte durch das ganze Auto, knabberte uns die Nudeln weg und Löcher in die Klamotten und verteilte fröhlich kleine Köttel überall wo sie so saß und stand. Das war natürlich herrlich: nicht nur 4 Tage ohne Erfolg auf der technischen Seite, sondern auch noch einen vom ganzen Herzen ungebetenen Gast im Auto. Aber wir hatten sehr nette 4 Tage mit Irneo und seinem Neffen David verbracht, die uns umsorgten und bekochten und uns vom Zuckerrohr kosten ließen, uns die Tortillas näher brachten und Frijoles (schwarze Bohnen). So ärgerlich die kaputte Kupplung auch ist und erst recht die Maus; es war mal wieder ne tolle Erfahrung. 
Einen Tag später waren wir in Chachalacas am Strand, waren mit Mausefallen ausgerüstet und dann war auch das Problem erledigt. In Chachalacas schauten wir uns die schönen Dünen an und genossen 4 Tagen Ruhe mit Blick aufs Meer.
Als wir aus Chachalacas losfuhren kam uns schon was nicht koscher vor: super viele Leute schauten viel netter als sonst, manche winkten wie gestochen. Dann wurden wir im Supermarkt angesprochen und es war klar: Auf dem Weg nach Chachalacas hatte uns ein Fernsehteam vom Regionalfernsehen Veracruz angesprochen, ob sie uns filmen könnten für einen 1-2min Beitrag. Wir sagten zu und hatten das über die Tage in Chachalacas fast vergessen. Vor allem haben wir nicht damit gerechnet, dass so viele Leute den Sender sehen. Das bereitete uns jedenfalls viele witzige Momente in der ganzen Region Veracruz.
Vom Meer ging es in die Berge nach Jalcamulco, wo wir Klettern wollten. Die ganze Wand (über 40 Routen) hat Soda geschraubt, ein unglaublich netter, etwas verrückter, liebenswerte Zeitgenosse, der total naturverbunden lebt und sich eine abgefahrene Hütte im Felsen gebaut hat, wo er jeden Tag wohnt. In Jalcamulco lernten wir wiederum Kletterer kennen, die uns ein weiteres kleines Klettergebiet in Rio Blanco empfehlen. Wir wollten nicht so viele Kilometee fahren, da unsere Kupplung ja nicht funktionierte, außerdem sollte ich in einigen Tagen für eine Woche nach Deutschland fliegen.
In Rio Blanco fühlten wir uns sehr wohl. Das Örtchen war schön klein und wir fühlten uns sehr bald wie zu Hause. Dazu trugen auch unsere „Nachbarn“ bei, die uns aus dem Fernsehen kannten und besonders nett waren, aber auch die jugendlichen Kletterer und die Jugendabteilung des Roten Kreuzes von Mendoza, die wir dort kennenlernten. Es war eine tolle Zeit und am 06 März war es dann so weit: Die erste Trennung seit über 1,5 Jahren: Ich bin für eine Wochen nach Deutschland geflogen, um endlich meinen kleinen Neffen kennenzulernen und bei seiner Taufe teil zu nehmen.

Samstag, 24. März 2012

Erdbeben Mexiko

Um alle netten Leutz, die sich Sorgen gemacht haben zu beruhigen: Wir haben vom Erdbeben nichts mitbekommen, uns geht es gut. Wir sind bei Monterrey beim Klettern und in den nächsten Tagen lassen wir mehr von uns hören. Einen technischen Bericht zu den vergangenen 3 Wochen gibt es hier.
Liebe Grüße

Agnes & Claus

Dienstag, 28. Februar 2012

Palenque, Balamku, Becán, Kabah, Xlapak und Labná

Palenque
In Tikal trafen wir ein sehr nettes Pärchen aus den USA, das uns auf die Einreise nach Mexiko vorbereitet hatte. Sie hatten wohl keine guten Erfahrungen an der Grenze gemacht und waren ziemlich genervt von den mexikanischen Beamten. Wahrscheinlich lag es daran, dass wir vorgewarnt waren und daran, dass Sonntag war, denn es war schön ruhig und wir hatten mal wieder eine nette, problemlose Einreise in das leider vorletzte Land auf unserer Reise.
Wie auch schon in Tikal, so gab es auch in Palenque laute, energiensuchende Hippies, die die Stätte belagerten. Aber wir ließen uns nur peripher von den Hippies und ihren „awesome!“-Rufen stören und genossen zunächst das Museum der Ruinenstadt. Dort konnten wir mal wieder viele in Stuck gearbeitete, teilweise immer noch bunte Inschriften bewundern, sowie die nachgebaute Grabkammer des Herrschers Pakal. Auch an diesem IMITAT stand ein Hippie, der die Energien des IMITATS in sich aufsaugte. Ich wollte ihm schon sagen, dass das nur die Klimaanlage sei, aber Claus meinte, ich solle ihm doch nicht die Illusion rauben. Für die einen ist es der Geist eines Maya-Herrschers, für die anderen eben nur der Lufthauch der Klimaanlage.
Nach diesen Erfahrungen machten wir uns auf den Weg in die Ruinenstätte. Die Stadt hatte ihre Blütezeit, wie die meisten Maya-Städte zwischen 600 und 740 nach Christus. Der wichtigste und bauaktivste Herrscher war “Pakal“, oder „Sonnen-Schild“, der erstaunliche 80 Jahre alt wurde. Sein Grab konnte bis vor ein paar Jahren im Tempel der Inschriften, besichtigt werden, das tief in die Pyramide gebaut war. Da die vielen Touristen der Struktur des Gebäudes nicht gut tat, wurde die Grabkammer geschlossen und ein IMITAT im Museum erbaut. Neben der Pyramide fand man in einer kleineren Pyramide die Überreste einer Frau, von der vermutet wird, dass sie die Frau oder Mutter von Pakal gewesen sein könnte. Ihre Überreste sowie das Innere ihres Sarkophags waren rot gefärbt.
Die Pyramiden der Kreuzgruppe wurden vermutlich vom Sohn von Pakal erbaut. Sie beziehen ihren Namen daher, dass auf den Altären, die auf ihrer oberste Plattform erbaut wurden, Abbildungen von Personen zu sehen sind, die um etwas gruppiert sind, das an ein Kreuz erinnert.
Im Palast von Palenque bewunderten wir die vielen verwinkelten Gänge und Zimmer, an deren Wänden teilweise immer noch Farbe oder Stuck-Verzierungen zu sehen waren. Der Turm, von dem vermutet wird, dass er zur Beobachtung von Sternen eingesetzt wurde, war eingestürzt und wurde 1955 wieder aufgebaut. Im Hof der Gefangenen, bewunderten wir die Hieroglyphentreppe und die Darstellungen von Gefangenen, von denen vermutet wird, dass es Herrscher sind, die gefangengenommen und nach Palenque verschleppt worden waren. Ferner gab es natürlich auch in Palenque einen der geheimnisvollen Ballspielplätze, allerdings war er, verglichen mit den großen Bauten der Stätte, winzig klein.
Nach etwa 4 Stunden Besichtigung waren wir dann auch gesättigt und kehrten zu unserem Schlafplatz zurück : einem Stück Rasen an einem Eco-Hotel, wo wir campen durften. In den zwei Nächten, die wir dort verbracht haben haben wir bis zum Schluss nicht rausgefunden für was das „Eco“ eigentlich steht....





Balamku
Nachdem wir also die Nase voll hatten von Energiesuchenden Hippies (die gab es übrigens auch schon in Tikal zu genüge), zog es uns wieder ein wenig weiter weg vom Massentourismus. Wir wurden fündig in den kleinen Stätten östlich von Campeche auf der Halbinsel Yucatan.
Zunächst besuchten wir die Stätte Balamku, deren Name sich zusammenstellt aus „Balam“=Jaguar und „kú“=Tempel. Sie wurde sehr lange bewohnt, von 600 vor bis 1000 nach Christus. Hier begegneten uns zum ersten Mal runde Formen (Säulen, „runde Ecken“), die allerdings für die Gegend um Xpujil (nächste größere Stadt) typisch sind.
Der Höhepunkt der Stätte ist ein Stuck-Fresko, das viele Darstellungen von Jaguaren und Kröten aufweist. Diesen Amphibien, die sich sowohl zu Wasser als auch zu Lande wohl fühlen, wurde zugesprochen, dass sie sich dementsprechend zwischen dieser und der spirituellen Welt bewegen könnten. Das Fresko ist zwischen 550 und 600 v.Ch. entstanden und die Tatsache, dass es noch so gut erhalten ist, wird damit erklärt, dass es einen Palast zierte, der nach 30-40 Jahren überbaut wurde, was bei den Maya bekanntlich oft vorkam. Der Raum zwischen dem Fresko und der Wand des neuen Gebäudes wurde dann mit einem Gemisch aus Steinen und Keramikresten aufgefüllt. Die Interpretation des Fresko geht lediglich so weit, dass der untere Teil des Kunstwerks die Unterwelt darstellt, der mittlere Teil die irdische Welt und die sakrale Welt wird von der Figur der Gottheit Kinich Ahau dargestellt.


Becán

Nach Balamku besuchten wir die Stätte Becán, die ausnahmsweise keine rein zeremonielle oder Wohn-Stätte war, sondern eine Festung. Sie war von einem Graben und einer Mauer umgeben und beinhaltet pyramidenartige Gebäude mit vielen Zimmern. Die Stadt wurde bereits um 600v.Ch. Bewohnt, hatte allerdings ihre Blütezeit erst zwischen 600-1000 n.Ch., bewohnt wurde sie sogar bis ins Jahr 1450 n.Ch. Die Bauten sind alle sehr wuchtig und erinnern, wenn auch nur ein wenig, an unsere europäischen Burgen. Auch hier findet sich eine Tempelpyramide, ein runder Altar und natürlich auch ein Ballspielplatz.

Kabah, Xlapak, Labná
Zu guter Letzt beschlossen wir noch drei Stätten zu besuchen auf der sogenannten Puuc-Route. Auf dieser Route sind viele Stätten der Puuc-Maya zu besichtigen. Die drei Stätten haben vieles gemeinsam: sie sind alle mit größeren und kleineren Säulen verziert und sind alle voller Darstellungen der Gottheit Chuc. Da es in Yucatan sehr heiß ist, ist Wasser ein kostbares gut. So verehrten die Puuc-Maya den Regengott oder die Himmelsschlange Chuc. Doch sie verließen sich nicht nur darauf, dass ihnen Chuc hilft. Auch bauten sie in den Boden Zisternen, die in der Regenzeit Wasser sammelten um die dort lebende Bevölkerung in der Trockenzeit mit Wasser versorgen zu können. In der Umgebung dieser drei Stätten, finden sich wohl Unmengen solcher Zisternen.
Nach dem Besuch der letzten Stätte Labná hatten wir dann auch genug von Ruinen, so schön ruhig sie auch gewesen sein mochten. Der Weg sollte uns zunächst an die Golfküste von Mexiko führen und danach ins Landesinnere, damit wir endlich mal zum Klettern kämen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt;)

Sonntag, 19. Februar 2012

Mayas: Copán und Tikal

Copán und Tikal sind große Ruinenstätten in Honduras und Guatemala. Beide Zentren entwickelten sich um 200 n. Chr. zu großen Stadtstaaten mit einer langen Herrscherdynastie. In Copán herrschten 16 überlieferte Gott-Könige, bis die Stadt ihren Niedergang am Ende des 9. Jahrhundert erlebte. Vermutlich konnte die große Zahl der Bewohner, die sich im Copán-Tal angesiedelt hatten nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt werden. Hungersnöte durch lange Trockenperioden und vermutlich großflächige Erosionen der Talhänge aufgrund großflächiger Abholzung taten ihr übriges. Der heute zu besichtigende archäologische Komplex verdankt sein Aussehen den letzten Herrschern, die zwischen 650 und 800 in Copán regierten. Wie immer könnt ihr genauere Informationen auf Wikipedia bekommen.
Da wir gegen Mittag Copán erreichten aber nicht bis zum nächsten morgen warten wollten bis wir endlich unsere ersten Mayaobjekte sehen konnten, besichtigten wir erst das Museum der Skulpturen und am nächsten Tag die Ruinenstätte. Das Museum besticht durch eine Replik des „Rosalia“ Tempels den Archäologen unter der größten Pyramide in Copán entdeckt haben. Das einmalige an der Kunst in Copán sind ihre Stelen (steinerne Säulen aus Tuffstein) die dreidimensionale Skulpturen der Könige in unterschiedlichen Prunkgewändern zeigen. Eine jede Stele ist mit zahlreichen Hieroglyphen meist auf den Schmalseiten und der Rückseite verziert, anhand denen Forscher genaue Datierungen von z.B. Inthronisationen, Geburten oder Kriegen heraus lesen konnten. Uns beeindruckte die enorme Vielfalt der Bildsprache und ihre filigran gearbeiteten Ausführungen auf den unterschiedlichen Stelen. Die Darstellungen der Figuren auf der Vorderseite kennt im Detailreichtum fast keine Grenzen. Es ist ein schöner Gedanke, dass das heutige Europa zu dieser Zeit im frühen Mittelalter zwar Pferde, das Rad und andere Annehmlichkeiten hatten aber eine solche Kunst wohl nicht erreicht wurde.
Um Ihren Stelen und den zahlreichen Gebäuden mehr Glanz zu verleihen, waren fast alle Tempel mit Stuckarbeiten und ganz flächigem glatten Putz versehen. Dieser wurde in der frühen Phase meist rot bemalt, wohingegen in den späteren Perioden das Farbspektrum erweitert wurde. Heute ist meist nur noch selten etwas der roten Farbe zu sehen. Die Replik des Rosalia-Tempels im Museum verdeutlicht jedoch sehr eindrucksvoll die gesamte Farbpalette, die zum Einsatz kam.
Große Aras (Papageien) waren bei den Mayas symbolträchtige Tiere. Zum einen schmückten ihre Feder die Kleidung und Kopfbedeckungen der Herrscher und waren teure Tauschwaren, zum anderen war der Vogel das Symbol für den Sonnengott K'inich Ahaw. Der Ballspielplatz in Copán wurde an jeder längs Seite jeweils von drei aus Stein gemeißelten Araköpfen umgrenzt. Uns flogen diese großen wunderschönen Tiere beim Eintritt in die Ruinenstätte entgegen und ließen sich immer wieder zu Paaren unter lauten Getöse in den umliegenden Bäumen nieder, was eine fast schon zauberhafte Stimmung kreierte.
Der Kern der Ruinenstadt umfasst einige Pyramiden mit langen Treppen die bis zu den obersten Plattformen reichten, wo sich meistens die Heiligtümer in kleinen Räumen verbargen. Eine der Pyramiden hatte eine 63ig stufige Treppe auf der mindestens 1000 Hieroglyphen eingearbeitet waren. Leider sind durch Erdbeben und den Verfall über die Jahrhunderte nur die ersten 15 Stufen in ihrer originalen Reihenfolge erhalten. Durch Tunnelarchäologie wurde unter der größten Pyramide wie bereits erwähnt der Rosalia Tempel entdeckt. Nicht alle originalen Stelen stehen im Museum der Skulpturen, sondern sind zwischen den Ruinen zu bewundern. Teilweise kann man auch noch viel Glyphen an den Wänden der Tempel erkennen und bestaunen.
Tikal ist ebenfalls eine der großen Stadtstaaten die es zu einer bedeutenden Blüte gebracht hatte. Die Ruinen liegen in einem dichten Urwald, der ca. 30km von großen Bevölkerungsflächen entfernt ist. Somit sind für den Besucher deutlich mehr Tiere während einer Wanderung zu sehen als üblich in solchen Städten. Wir konnten auf unserem Weg Unmengen von „Spider-monkeys“, Brüllaffen und anderen Säugetiere beobachten. Tikal besticht mit vielen Pyramiden, die zwar alle Mayastädten gemeinsam haben, die in Tikal sind jedoch deutlich höher als andere. Durch seitlich angebaute Holztreppen kann man zwei der Pyramiden besteigen und hat von Templo IV einen wunderbaren Blick über die Baumwipfel und von Templo II eine tolle Aussicht auf den großen Platz. Leider sind in Tikal die Überreste der Hieroglyphen sehr selten und somit wandert man meistens durch Ruinen die nur durch ihre Art der Baukunst und der Gestaltung beeindrucken. Da Tikal sich jedoch auf einem sehr großen Areal erstreckt konnten wir tolle 8,5h in der Natur und zwischen den Ruinen verbringen. Danach zog es uns weiter nach Mexiko unser bis jetzt vorletztes Land der Reise.

Samstag, 11. Februar 2012

Mittelamerika im Schnelldurchlauf Teil 1

Neun Tage ohne unseren Dicken das war hart. Aber am Freitag den 13.01 hatten wir ihn wieder. Nach einer ordentlichen Papierschlacht am Hafen und beim Zoll konnten wir endlich gegen 15Uhr aus dem Hafengelände fahren. Eine genau Anleitung wie und was ihr machen müsst wenn ihr auch mal nach Colon verschifft, gibt es hier.
In Panama hatten wir eineinhalb Tage in Panama-City verbracht bevor wir in Colon den Wagen auslösten hatten. Obwohl die Amerikaner seit 1999, glaube ich, nicht mehr den Kanal bewachen, war die Stadt für unseren Geschmack doch sehr US-amerikanisch. Mehrere große, ich meine sehr große Malls, alle denkbaren Fast-Food Ketten in den Malls und in der Stadt und die Autos und so...naja so schlimm war es nicht aber wir hatten schon den Eindruck das hier der Einfluss des großen Bruders sehr deutlich zu sehen ist.
Die erste Nacht verbrachten wir an der karibischen Kanalseite auf dem Hafengelände, wo uns dann doch prompt um 23Uhr die Sicherheitspolizei des Hafens durch deutlichen Klopfen an der Scheibe weckte, um uns klar zu machen, dass wir so nah am Kanal nicht stehen könnten. Aber man war sehr nett und lies uns, nachdem wir dem Oberaufseher versprechen mussten, nicht herumzulaufen, nahe der Brücke an den Schleusen stehen und schlafen. Die Besichtigung der Schleusen am nächsten Tag war für uns beide sehr beeindruckend. Es ist sehr interessant zu sehen wie diese großen Schiffe, teilweise mit 8 Lokomotiven, in die Schleusen geführt werden und dann wieder hinaus. Auf jeder Seite max. 1-1,5m Platz.
Wir wussten, dass uns die Länder in Mittelamerika nicht soviel Kultur bieten würden also besuchten wir wenigstens das Fort San Lorenzo, das die Spanier vor knapp 500Jahren bei Colon auf einen Felskopf gebaut hatten. Dann wurden wir auch schon vom Pazifik angezogen und wir verbrachten die nächsten Tage damit einen tollen Strand zu finden, an dem wir dann auch 5 Tage blieben. Zum Wochenende flohen wir dann in die Berge zum Wandern aber auch dies war sehr ernüchternd. Der Wanderweg, ausgeschrieben für 2-3h, war von uns in weniger als einer Stunde absolviert und so waren schon um 11Uhr zurück am Auto und beschlossen über einen kleinen Grenzübergang (Rio Sereno) nach Costa Rica weiter zu fahren. Nach eineinhalb Stunden in der Schlange an der Grenze sagte man uns dann, dass wir hier nicht mit unserem eigenen Auto über die Grenze können und dies nur weiter im Süden möglich ist. Na gut. Dann halt morgen...So ging dann nach 14 Tagen unser Aufenthalt in Panama zu ende.


Costa Rica erschrak uns durch die hohen Preise und die englischen Schilder überall. Wir hatten das Urlaubsressort für US-Amerikaner erreicht. Im ersten National Park konnten wir leider nicht wandern, da 10US Eintritt für 2,5km Wanderweg uns ganz schön übertrieben vorkam. Also suchten wir eine schöne Offroad-Piste durch die Berge zum malerischen Pazifikstrand. Wir genossen zum wiederholten Male das Rauschen des Meeres und genossen die Zeit an unseren schönen entlegenen Plätzen die wir uns gesucht hatten. Nach knapp einer Woche am Strand beschlossen wir, nachdem wir im Café Europa bei Liberia deutsches Brot eingekauft hatten, so schnell wie möglich durch Nicaragua zufahren. Nach einem schönen Abend mit anderen Reisenden in Granada waren im 3. Tag auch schon wieder an der Grenze zu Honduras. Die Ein- und Ausreiseformalitäten gingen problemlos. Was uns jedoch sehr wunderte waren die hohen Gebühren für Einreise und Zoll unseres Wagens in Nicaragua und Honduras.
In Honduras konnten wir dann endlich unseren lang ersehnten Wandertag einlegen und besuchten endlich die erste große Maja-Stätte unserer Reise aber dazu mehr im nächsten Blog.

Freitag, 27. Januar 2012

Eine Seefahrt die ist lustig...

Wir wurden von John unserem neuseeländischen Kapitän bei Anbruch der Dämmerung auf unser Schiff die „Wildcard Sydney“ gebracht, welches einige hundert Meter vor der Küste Cartagenas vor Anker lag. Zwei Amerikaner, der Maat und drei Deutsche waren schon an Bord und erwarteten unsere Ankunft. Nach dem unser Gepäck und die Nahrungsvorräte verstaut waren,waren alle gespannt aufs Ablegen. Aber nichts geschah. Das Fluchen unseres Kapitäns, was uns noch auf der gesamten Seereise begleiten sollte, erweckte unsere Aufmerksamkeit. Ah der Motor springt nicht an...ok das fängt ja gut an. Durch die Hilfe von Karsten, der kurzerhand den Anlasser mit einem Schraubendreher überbrückte ging es dann endlich so um 20 Uhr los. Wir waren alle etwas hungrig, aufgeregt und gespannt was auf uns zu kam. Die ersten Seemeilen aus der sichern Bucht verliefen soweit ganz angenehm, obwohl es mich doch sehr wunderte, dass wir trotz GPS, Autopilot und elektronischen Seekarten die Navigation, per Bojen suchen, absolvierten. Nachdem wir die offene See erreicht hatten konnte ich mir darüber wenig Gedanken machen, denn der seitliche Wind, der das Boot ordentlich von links nach rechts schaukelte machte mir und meinem Magen doch etwas zu schaffen. Ein Glück hatten wir vor Antritt der Reise, Tabletten gegen Seekrankheit gekauft und sie auch vorschriftsmäßig eine Stunde vor Abfahrt eingenommen. Jetzt kämpften wir eigentlich nur mit der doch überraschend starken Bewegung des Schiffes und der für uns ungewohnten Fortbewegung bei hoher See. Die Nacht verlief mehr schlecht als recht. Ich fand kein richtiges Bett, nach dem wir nach einer Stunde Schlaf in unserer Kajüte von einer Welle, die über das Deck gespült war, durch unser Dachfenster eine
ungewollte Seewasserdusche abbekommen hatten. Agnes nahm das untere zweite Bett aber dort war kein Platz für zwei. Ich lag also Steuerbord (rechts) und die Wellen drückten das Boot so stark nach links, dass ich mehrere Male aus dem Bett fiel. Festhalten und Schlafen gleichzeitig war für mich irgendwie nicht zumachen und ich beschloss die Nacht bei Morgengrauen abzubrechen. Zerknirscht wie ich war ging ich auf die Brücke und fand dort unseren völlig übernächtigten und fluchenden Kapitän mit einem 36er Schlüssel in der Mechanik des Autopiloten herum stochern. Cool dachte ich mir, mal sehen wie das noch weiter geht. Bei Tagesanbruch musste der Maat Jonny ans Ruder. „270 magnetic“ war die Anweisung. Die Sonne ging wunderschön links hinter uns auf und der Tag versprach ruhiger als die Nacht zu werden. Doch bei Sonnenaufgang legten die Wellen noch mal richtig zu, so dass die Backbordseite des Schiffes mit dem Deck die Wasseroberfläche durchschnitt. Dazu kam noch, dass unser Maat wohl nicht so oft bei starkem Seitenwind steuerte, denn auf einmal war die Sonne vor uns, rechts neben uns und dann ein Glück doch wieder hinter uns...
Die See beruhigte sich, der Autopilot weigerte sich aber dennoch beharrlich ordentlich zu funktionieren aber wir genossen jetzt die Zeit in der Sonne an Deck. Das ersehnte Frühstück war sehr einfach aber ordentlich. Einen halben Meter Baguette mit Rührei und Zwiebeln pro Mann und Maus. Die geplanten 36h Stunden Seefahrt wurden dann doch durch die bekannten Probleme zu 49h. Ich wollte schon immer wissen wie es ist mit einem Schiff auf offener See zu sein. Leider konnten wir nicht segeln, da der Wind nicht stark genug war und wir hätten kreuzen müssen. Somit bleibt für mich immer noch die Frage wie stark muss es wehen um zu Segeln und was macht das Schiff dann? Vielleicht werden wir uns auch diese Frage irgendwann beantworten können. Wir waren auf jeden Fall froh, dass wir nur mit 8 Leuten die Reise auf dem kleinen Schiff gemacht hatten, denn Zurück sollte es mit 16 Leuten gehen.
Wer auch mal eine Seefahrt machen möchte hier einige kleine Tipps: Immer ein großen Schiff nehmen (selbst 20m sind sehr klein), fragt nach Verpflegung und Snacks, wie ist die Frischwasserversorgung und nicht zu vergessen, nehmt auf jeden Fall vor der Reise genug Tabletten gegen Seekrankheit mit und nehmt sie vor der Reise ein. Wann kann sie immer noch absetzen wenn es einem wirklich gut geht.
Nach der Ankunft in Portobello haben wir dann ordentlich unseren Landgang gefeiert und verbrachten zwei tolle Tage mit Bettina, Karsten, Boris, Jürgen, Rahel und diversen Polen und Holländern in Captian Jack's Hostel.