Dienstag, 28. Februar 2012

Palenque, Balamku, Becán, Kabah, Xlapak und Labná

Palenque
In Tikal trafen wir ein sehr nettes Pärchen aus den USA, das uns auf die Einreise nach Mexiko vorbereitet hatte. Sie hatten wohl keine guten Erfahrungen an der Grenze gemacht und waren ziemlich genervt von den mexikanischen Beamten. Wahrscheinlich lag es daran, dass wir vorgewarnt waren und daran, dass Sonntag war, denn es war schön ruhig und wir hatten mal wieder eine nette, problemlose Einreise in das leider vorletzte Land auf unserer Reise.
Wie auch schon in Tikal, so gab es auch in Palenque laute, energiensuchende Hippies, die die Stätte belagerten. Aber wir ließen uns nur peripher von den Hippies und ihren „awesome!“-Rufen stören und genossen zunächst das Museum der Ruinenstadt. Dort konnten wir mal wieder viele in Stuck gearbeitete, teilweise immer noch bunte Inschriften bewundern, sowie die nachgebaute Grabkammer des Herrschers Pakal. Auch an diesem IMITAT stand ein Hippie, der die Energien des IMITATS in sich aufsaugte. Ich wollte ihm schon sagen, dass das nur die Klimaanlage sei, aber Claus meinte, ich solle ihm doch nicht die Illusion rauben. Für die einen ist es der Geist eines Maya-Herrschers, für die anderen eben nur der Lufthauch der Klimaanlage.
Nach diesen Erfahrungen machten wir uns auf den Weg in die Ruinenstätte. Die Stadt hatte ihre Blütezeit, wie die meisten Maya-Städte zwischen 600 und 740 nach Christus. Der wichtigste und bauaktivste Herrscher war “Pakal“, oder „Sonnen-Schild“, der erstaunliche 80 Jahre alt wurde. Sein Grab konnte bis vor ein paar Jahren im Tempel der Inschriften, besichtigt werden, das tief in die Pyramide gebaut war. Da die vielen Touristen der Struktur des Gebäudes nicht gut tat, wurde die Grabkammer geschlossen und ein IMITAT im Museum erbaut. Neben der Pyramide fand man in einer kleineren Pyramide die Überreste einer Frau, von der vermutet wird, dass sie die Frau oder Mutter von Pakal gewesen sein könnte. Ihre Überreste sowie das Innere ihres Sarkophags waren rot gefärbt.
Die Pyramiden der Kreuzgruppe wurden vermutlich vom Sohn von Pakal erbaut. Sie beziehen ihren Namen daher, dass auf den Altären, die auf ihrer oberste Plattform erbaut wurden, Abbildungen von Personen zu sehen sind, die um etwas gruppiert sind, das an ein Kreuz erinnert.
Im Palast von Palenque bewunderten wir die vielen verwinkelten Gänge und Zimmer, an deren Wänden teilweise immer noch Farbe oder Stuck-Verzierungen zu sehen waren. Der Turm, von dem vermutet wird, dass er zur Beobachtung von Sternen eingesetzt wurde, war eingestürzt und wurde 1955 wieder aufgebaut. Im Hof der Gefangenen, bewunderten wir die Hieroglyphentreppe und die Darstellungen von Gefangenen, von denen vermutet wird, dass es Herrscher sind, die gefangengenommen und nach Palenque verschleppt worden waren. Ferner gab es natürlich auch in Palenque einen der geheimnisvollen Ballspielplätze, allerdings war er, verglichen mit den großen Bauten der Stätte, winzig klein.
Nach etwa 4 Stunden Besichtigung waren wir dann auch gesättigt und kehrten zu unserem Schlafplatz zurück : einem Stück Rasen an einem Eco-Hotel, wo wir campen durften. In den zwei Nächten, die wir dort verbracht haben haben wir bis zum Schluss nicht rausgefunden für was das „Eco“ eigentlich steht....





Balamku
Nachdem wir also die Nase voll hatten von Energiesuchenden Hippies (die gab es übrigens auch schon in Tikal zu genüge), zog es uns wieder ein wenig weiter weg vom Massentourismus. Wir wurden fündig in den kleinen Stätten östlich von Campeche auf der Halbinsel Yucatan.
Zunächst besuchten wir die Stätte Balamku, deren Name sich zusammenstellt aus „Balam“=Jaguar und „kú“=Tempel. Sie wurde sehr lange bewohnt, von 600 vor bis 1000 nach Christus. Hier begegneten uns zum ersten Mal runde Formen (Säulen, „runde Ecken“), die allerdings für die Gegend um Xpujil (nächste größere Stadt) typisch sind.
Der Höhepunkt der Stätte ist ein Stuck-Fresko, das viele Darstellungen von Jaguaren und Kröten aufweist. Diesen Amphibien, die sich sowohl zu Wasser als auch zu Lande wohl fühlen, wurde zugesprochen, dass sie sich dementsprechend zwischen dieser und der spirituellen Welt bewegen könnten. Das Fresko ist zwischen 550 und 600 v.Ch. entstanden und die Tatsache, dass es noch so gut erhalten ist, wird damit erklärt, dass es einen Palast zierte, der nach 30-40 Jahren überbaut wurde, was bei den Maya bekanntlich oft vorkam. Der Raum zwischen dem Fresko und der Wand des neuen Gebäudes wurde dann mit einem Gemisch aus Steinen und Keramikresten aufgefüllt. Die Interpretation des Fresko geht lediglich so weit, dass der untere Teil des Kunstwerks die Unterwelt darstellt, der mittlere Teil die irdische Welt und die sakrale Welt wird von der Figur der Gottheit Kinich Ahau dargestellt.


Becán

Nach Balamku besuchten wir die Stätte Becán, die ausnahmsweise keine rein zeremonielle oder Wohn-Stätte war, sondern eine Festung. Sie war von einem Graben und einer Mauer umgeben und beinhaltet pyramidenartige Gebäude mit vielen Zimmern. Die Stadt wurde bereits um 600v.Ch. Bewohnt, hatte allerdings ihre Blütezeit erst zwischen 600-1000 n.Ch., bewohnt wurde sie sogar bis ins Jahr 1450 n.Ch. Die Bauten sind alle sehr wuchtig und erinnern, wenn auch nur ein wenig, an unsere europäischen Burgen. Auch hier findet sich eine Tempelpyramide, ein runder Altar und natürlich auch ein Ballspielplatz.

Kabah, Xlapak, Labná
Zu guter Letzt beschlossen wir noch drei Stätten zu besuchen auf der sogenannten Puuc-Route. Auf dieser Route sind viele Stätten der Puuc-Maya zu besichtigen. Die drei Stätten haben vieles gemeinsam: sie sind alle mit größeren und kleineren Säulen verziert und sind alle voller Darstellungen der Gottheit Chuc. Da es in Yucatan sehr heiß ist, ist Wasser ein kostbares gut. So verehrten die Puuc-Maya den Regengott oder die Himmelsschlange Chuc. Doch sie verließen sich nicht nur darauf, dass ihnen Chuc hilft. Auch bauten sie in den Boden Zisternen, die in der Regenzeit Wasser sammelten um die dort lebende Bevölkerung in der Trockenzeit mit Wasser versorgen zu können. In der Umgebung dieser drei Stätten, finden sich wohl Unmengen solcher Zisternen.
Nach dem Besuch der letzten Stätte Labná hatten wir dann auch genug von Ruinen, so schön ruhig sie auch gewesen sein mochten. Der Weg sollte uns zunächst an die Golfküste von Mexiko führen und danach ins Landesinnere, damit wir endlich mal zum Klettern kämen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt;)

Sonntag, 19. Februar 2012

Mayas: Copán und Tikal

Copán und Tikal sind große Ruinenstätten in Honduras und Guatemala. Beide Zentren entwickelten sich um 200 n. Chr. zu großen Stadtstaaten mit einer langen Herrscherdynastie. In Copán herrschten 16 überlieferte Gott-Könige, bis die Stadt ihren Niedergang am Ende des 9. Jahrhundert erlebte. Vermutlich konnte die große Zahl der Bewohner, die sich im Copán-Tal angesiedelt hatten nicht mehr ausreichend mit Nahrung versorgt werden. Hungersnöte durch lange Trockenperioden und vermutlich großflächige Erosionen der Talhänge aufgrund großflächiger Abholzung taten ihr übriges. Der heute zu besichtigende archäologische Komplex verdankt sein Aussehen den letzten Herrschern, die zwischen 650 und 800 in Copán regierten. Wie immer könnt ihr genauere Informationen auf Wikipedia bekommen.
Da wir gegen Mittag Copán erreichten aber nicht bis zum nächsten morgen warten wollten bis wir endlich unsere ersten Mayaobjekte sehen konnten, besichtigten wir erst das Museum der Skulpturen und am nächsten Tag die Ruinenstätte. Das Museum besticht durch eine Replik des „Rosalia“ Tempels den Archäologen unter der größten Pyramide in Copán entdeckt haben. Das einmalige an der Kunst in Copán sind ihre Stelen (steinerne Säulen aus Tuffstein) die dreidimensionale Skulpturen der Könige in unterschiedlichen Prunkgewändern zeigen. Eine jede Stele ist mit zahlreichen Hieroglyphen meist auf den Schmalseiten und der Rückseite verziert, anhand denen Forscher genaue Datierungen von z.B. Inthronisationen, Geburten oder Kriegen heraus lesen konnten. Uns beeindruckte die enorme Vielfalt der Bildsprache und ihre filigran gearbeiteten Ausführungen auf den unterschiedlichen Stelen. Die Darstellungen der Figuren auf der Vorderseite kennt im Detailreichtum fast keine Grenzen. Es ist ein schöner Gedanke, dass das heutige Europa zu dieser Zeit im frühen Mittelalter zwar Pferde, das Rad und andere Annehmlichkeiten hatten aber eine solche Kunst wohl nicht erreicht wurde.
Um Ihren Stelen und den zahlreichen Gebäuden mehr Glanz zu verleihen, waren fast alle Tempel mit Stuckarbeiten und ganz flächigem glatten Putz versehen. Dieser wurde in der frühen Phase meist rot bemalt, wohingegen in den späteren Perioden das Farbspektrum erweitert wurde. Heute ist meist nur noch selten etwas der roten Farbe zu sehen. Die Replik des Rosalia-Tempels im Museum verdeutlicht jedoch sehr eindrucksvoll die gesamte Farbpalette, die zum Einsatz kam.
Große Aras (Papageien) waren bei den Mayas symbolträchtige Tiere. Zum einen schmückten ihre Feder die Kleidung und Kopfbedeckungen der Herrscher und waren teure Tauschwaren, zum anderen war der Vogel das Symbol für den Sonnengott K'inich Ahaw. Der Ballspielplatz in Copán wurde an jeder längs Seite jeweils von drei aus Stein gemeißelten Araköpfen umgrenzt. Uns flogen diese großen wunderschönen Tiere beim Eintritt in die Ruinenstätte entgegen und ließen sich immer wieder zu Paaren unter lauten Getöse in den umliegenden Bäumen nieder, was eine fast schon zauberhafte Stimmung kreierte.
Der Kern der Ruinenstadt umfasst einige Pyramiden mit langen Treppen die bis zu den obersten Plattformen reichten, wo sich meistens die Heiligtümer in kleinen Räumen verbargen. Eine der Pyramiden hatte eine 63ig stufige Treppe auf der mindestens 1000 Hieroglyphen eingearbeitet waren. Leider sind durch Erdbeben und den Verfall über die Jahrhunderte nur die ersten 15 Stufen in ihrer originalen Reihenfolge erhalten. Durch Tunnelarchäologie wurde unter der größten Pyramide wie bereits erwähnt der Rosalia Tempel entdeckt. Nicht alle originalen Stelen stehen im Museum der Skulpturen, sondern sind zwischen den Ruinen zu bewundern. Teilweise kann man auch noch viel Glyphen an den Wänden der Tempel erkennen und bestaunen.
Tikal ist ebenfalls eine der großen Stadtstaaten die es zu einer bedeutenden Blüte gebracht hatte. Die Ruinen liegen in einem dichten Urwald, der ca. 30km von großen Bevölkerungsflächen entfernt ist. Somit sind für den Besucher deutlich mehr Tiere während einer Wanderung zu sehen als üblich in solchen Städten. Wir konnten auf unserem Weg Unmengen von „Spider-monkeys“, Brüllaffen und anderen Säugetiere beobachten. Tikal besticht mit vielen Pyramiden, die zwar alle Mayastädten gemeinsam haben, die in Tikal sind jedoch deutlich höher als andere. Durch seitlich angebaute Holztreppen kann man zwei der Pyramiden besteigen und hat von Templo IV einen wunderbaren Blick über die Baumwipfel und von Templo II eine tolle Aussicht auf den großen Platz. Leider sind in Tikal die Überreste der Hieroglyphen sehr selten und somit wandert man meistens durch Ruinen die nur durch ihre Art der Baukunst und der Gestaltung beeindrucken. Da Tikal sich jedoch auf einem sehr großen Areal erstreckt konnten wir tolle 8,5h in der Natur und zwischen den Ruinen verbringen. Danach zog es uns weiter nach Mexiko unser bis jetzt vorletztes Land der Reise.

Samstag, 11. Februar 2012

Mittelamerika im Schnelldurchlauf Teil 1

Neun Tage ohne unseren Dicken das war hart. Aber am Freitag den 13.01 hatten wir ihn wieder. Nach einer ordentlichen Papierschlacht am Hafen und beim Zoll konnten wir endlich gegen 15Uhr aus dem Hafengelände fahren. Eine genau Anleitung wie und was ihr machen müsst wenn ihr auch mal nach Colon verschifft, gibt es hier.
In Panama hatten wir eineinhalb Tage in Panama-City verbracht bevor wir in Colon den Wagen auslösten hatten. Obwohl die Amerikaner seit 1999, glaube ich, nicht mehr den Kanal bewachen, war die Stadt für unseren Geschmack doch sehr US-amerikanisch. Mehrere große, ich meine sehr große Malls, alle denkbaren Fast-Food Ketten in den Malls und in der Stadt und die Autos und so...naja so schlimm war es nicht aber wir hatten schon den Eindruck das hier der Einfluss des großen Bruders sehr deutlich zu sehen ist.
Die erste Nacht verbrachten wir an der karibischen Kanalseite auf dem Hafengelände, wo uns dann doch prompt um 23Uhr die Sicherheitspolizei des Hafens durch deutlichen Klopfen an der Scheibe weckte, um uns klar zu machen, dass wir so nah am Kanal nicht stehen könnten. Aber man war sehr nett und lies uns, nachdem wir dem Oberaufseher versprechen mussten, nicht herumzulaufen, nahe der Brücke an den Schleusen stehen und schlafen. Die Besichtigung der Schleusen am nächsten Tag war für uns beide sehr beeindruckend. Es ist sehr interessant zu sehen wie diese großen Schiffe, teilweise mit 8 Lokomotiven, in die Schleusen geführt werden und dann wieder hinaus. Auf jeder Seite max. 1-1,5m Platz.
Wir wussten, dass uns die Länder in Mittelamerika nicht soviel Kultur bieten würden also besuchten wir wenigstens das Fort San Lorenzo, das die Spanier vor knapp 500Jahren bei Colon auf einen Felskopf gebaut hatten. Dann wurden wir auch schon vom Pazifik angezogen und wir verbrachten die nächsten Tage damit einen tollen Strand zu finden, an dem wir dann auch 5 Tage blieben. Zum Wochenende flohen wir dann in die Berge zum Wandern aber auch dies war sehr ernüchternd. Der Wanderweg, ausgeschrieben für 2-3h, war von uns in weniger als einer Stunde absolviert und so waren schon um 11Uhr zurück am Auto und beschlossen über einen kleinen Grenzübergang (Rio Sereno) nach Costa Rica weiter zu fahren. Nach eineinhalb Stunden in der Schlange an der Grenze sagte man uns dann, dass wir hier nicht mit unserem eigenen Auto über die Grenze können und dies nur weiter im Süden möglich ist. Na gut. Dann halt morgen...So ging dann nach 14 Tagen unser Aufenthalt in Panama zu ende.


Costa Rica erschrak uns durch die hohen Preise und die englischen Schilder überall. Wir hatten das Urlaubsressort für US-Amerikaner erreicht. Im ersten National Park konnten wir leider nicht wandern, da 10US Eintritt für 2,5km Wanderweg uns ganz schön übertrieben vorkam. Also suchten wir eine schöne Offroad-Piste durch die Berge zum malerischen Pazifikstrand. Wir genossen zum wiederholten Male das Rauschen des Meeres und genossen die Zeit an unseren schönen entlegenen Plätzen die wir uns gesucht hatten. Nach knapp einer Woche am Strand beschlossen wir, nachdem wir im Café Europa bei Liberia deutsches Brot eingekauft hatten, so schnell wie möglich durch Nicaragua zufahren. Nach einem schönen Abend mit anderen Reisenden in Granada waren im 3. Tag auch schon wieder an der Grenze zu Honduras. Die Ein- und Ausreiseformalitäten gingen problemlos. Was uns jedoch sehr wunderte waren die hohen Gebühren für Einreise und Zoll unseres Wagens in Nicaragua und Honduras.
In Honduras konnten wir dann endlich unseren lang ersehnten Wandertag einlegen und besuchten endlich die erste große Maja-Stätte unserer Reise aber dazu mehr im nächsten Blog.

Freitag, 27. Januar 2012

Eine Seefahrt die ist lustig...

Wir wurden von John unserem neuseeländischen Kapitän bei Anbruch der Dämmerung auf unser Schiff die „Wildcard Sydney“ gebracht, welches einige hundert Meter vor der Küste Cartagenas vor Anker lag. Zwei Amerikaner, der Maat und drei Deutsche waren schon an Bord und erwarteten unsere Ankunft. Nach dem unser Gepäck und die Nahrungsvorräte verstaut waren,waren alle gespannt aufs Ablegen. Aber nichts geschah. Das Fluchen unseres Kapitäns, was uns noch auf der gesamten Seereise begleiten sollte, erweckte unsere Aufmerksamkeit. Ah der Motor springt nicht an...ok das fängt ja gut an. Durch die Hilfe von Karsten, der kurzerhand den Anlasser mit einem Schraubendreher überbrückte ging es dann endlich so um 20 Uhr los. Wir waren alle etwas hungrig, aufgeregt und gespannt was auf uns zu kam. Die ersten Seemeilen aus der sichern Bucht verliefen soweit ganz angenehm, obwohl es mich doch sehr wunderte, dass wir trotz GPS, Autopilot und elektronischen Seekarten die Navigation, per Bojen suchen, absolvierten. Nachdem wir die offene See erreicht hatten konnte ich mir darüber wenig Gedanken machen, denn der seitliche Wind, der das Boot ordentlich von links nach rechts schaukelte machte mir und meinem Magen doch etwas zu schaffen. Ein Glück hatten wir vor Antritt der Reise, Tabletten gegen Seekrankheit gekauft und sie auch vorschriftsmäßig eine Stunde vor Abfahrt eingenommen. Jetzt kämpften wir eigentlich nur mit der doch überraschend starken Bewegung des Schiffes und der für uns ungewohnten Fortbewegung bei hoher See. Die Nacht verlief mehr schlecht als recht. Ich fand kein richtiges Bett, nach dem wir nach einer Stunde Schlaf in unserer Kajüte von einer Welle, die über das Deck gespült war, durch unser Dachfenster eine
ungewollte Seewasserdusche abbekommen hatten. Agnes nahm das untere zweite Bett aber dort war kein Platz für zwei. Ich lag also Steuerbord (rechts) und die Wellen drückten das Boot so stark nach links, dass ich mehrere Male aus dem Bett fiel. Festhalten und Schlafen gleichzeitig war für mich irgendwie nicht zumachen und ich beschloss die Nacht bei Morgengrauen abzubrechen. Zerknirscht wie ich war ging ich auf die Brücke und fand dort unseren völlig übernächtigten und fluchenden Kapitän mit einem 36er Schlüssel in der Mechanik des Autopiloten herum stochern. Cool dachte ich mir, mal sehen wie das noch weiter geht. Bei Tagesanbruch musste der Maat Jonny ans Ruder. „270 magnetic“ war die Anweisung. Die Sonne ging wunderschön links hinter uns auf und der Tag versprach ruhiger als die Nacht zu werden. Doch bei Sonnenaufgang legten die Wellen noch mal richtig zu, so dass die Backbordseite des Schiffes mit dem Deck die Wasseroberfläche durchschnitt. Dazu kam noch, dass unser Maat wohl nicht so oft bei starkem Seitenwind steuerte, denn auf einmal war die Sonne vor uns, rechts neben uns und dann ein Glück doch wieder hinter uns...
Die See beruhigte sich, der Autopilot weigerte sich aber dennoch beharrlich ordentlich zu funktionieren aber wir genossen jetzt die Zeit in der Sonne an Deck. Das ersehnte Frühstück war sehr einfach aber ordentlich. Einen halben Meter Baguette mit Rührei und Zwiebeln pro Mann und Maus. Die geplanten 36h Stunden Seefahrt wurden dann doch durch die bekannten Probleme zu 49h. Ich wollte schon immer wissen wie es ist mit einem Schiff auf offener See zu sein. Leider konnten wir nicht segeln, da der Wind nicht stark genug war und wir hätten kreuzen müssen. Somit bleibt für mich immer noch die Frage wie stark muss es wehen um zu Segeln und was macht das Schiff dann? Vielleicht werden wir uns auch diese Frage irgendwann beantworten können. Wir waren auf jeden Fall froh, dass wir nur mit 8 Leuten die Reise auf dem kleinen Schiff gemacht hatten, denn Zurück sollte es mit 16 Leuten gehen.
Wer auch mal eine Seefahrt machen möchte hier einige kleine Tipps: Immer ein großen Schiff nehmen (selbst 20m sind sehr klein), fragt nach Verpflegung und Snacks, wie ist die Frischwasserversorgung und nicht zu vergessen, nehmt auf jeden Fall vor der Reise genug Tabletten gegen Seekrankheit mit und nehmt sie vor der Reise ein. Wann kann sie immer noch absetzen wenn es einem wirklich gut geht.
Nach der Ankunft in Portobello haben wir dann ordentlich unseren Landgang gefeiert und verbrachten zwei tolle Tage mit Bettina, Karsten, Boris, Jürgen, Rahel und diversen Polen und Holländern in Captian Jack's Hostel.

Sonntag, 15. Januar 2012

Bacardi-Feeling

Seitdem wir hier sind, am wunderschönen, ruhigen, fast menschenleerem Strand von Camarones, wache ich jeden morgen mit dem Lied im Ohr auf: „...comon over have some fun, dancing in the morning sun....“
Der absolute Zufall und ein paar liebe Bogotanios haben uns an diesen Strand gebracht. Eigentlich suchten wir nur einen Platz zum Übernachten, bevor wir uns nach Koralia aufmachen, wo wir Sarah & Steve treffen wollten. Aber die Kombination von diesem Strand mit den Leuten, die wir hier getroffen haben, lassen uns nicht weiterziehen und wir sind nun den fünften Tag hier.
Wir hatten ein paar Schwierigkeiten in Bogotá, wo unser Päckchen mit Ersatzteilen scheinbar verloren war, weil es, laut der Sendungsverfolgungsnummer, in den USA war. Allerdings stellte sich heraus, dass wir die falsche Nummer erhalten haben. Aber nachdem Claus dann seine Daten in 4facher Ausführung dargelassen hat, sowie eine Kopie seines Passes, ein Foto UND einen Fingerabdruck, hatten wir das Päckchen endlich in unseren Händen und es gab nur noch ein Ziel: das karibische Meer. Nach drei total verrückten, nervenaufreibenden Tagen auf kolumbianischen Straßen waren wir auch endlich da. Mitten in der Nacht gabelten uns dann Miguel und Bruno auf und brachten uns an dem Strand hier. Hier trafen wir am nächsten morgen auch die Frau von Bruno, Luzma, sowie die Familie von Miguel: Margot, seinen Sohn Miguel-Andres und die Großmutter Olga. Mit ihnen verbrachten wir die Weihnachtstage mit quatschen, tanzen, viel lachen und essen. Olga brachte uns bei wie man kolumbianische Arepas macht und wir haben jetzt das sogennante „Arepas-Diplom“ verliehen bekommen. Claus hat sich inzwischen zum Kokosnuss-Profi entwickelt: Er holt die Kokosnüsse zwar noch nicht von der Palme, aber das braucht er nicht, denn sie fallen von sich aus auf den Boden. Er befreit sie von der dicken, grünen Schale, packt sie für einige Zeit in den Kühlschrank, knackt sie und serviert uns dann das erfrischend kalte Kokoswasser und das beste Fruchtfleisch, das ich in meinem Leben gegessen habe. Es ist genau so wie man es uns an der Grenze gesagt hat: Die einzige Gefahr in Kolumbien ist, dass man für immer bleibt.

Samstag, 31. Dezember 2011

Kolumbien: Die geheimnisvollen Statuen von San Agustin und die Gräber von Tierradentro

San Agustin

Der Reiseführer und ein paar Tipps von Einheimischen führten uns nach San Agustin. Dort wurden auf Hügeln Statuen gefunden, deren Verbreitung bis an die karibische Küste, in die „Ciudad Perdida“, die Verlorene Stadt, reichte. Leider weiß man von der Kultur, die diese Statuen geschaffen hatte bis heute so gut wie nichts; sie hat nicht einmal einen Namen.
Was man weiß, ist, dass sie eine Art Bewacher für die Gräber von gesellschaftlich hoch angesehenen Menschen waren, von politischen Führern oder heiligen Männern. Manche der Figuren haben Waffen in den Händen oder einen abschreckenden Gesichtsausdruck. Es gibt aber auch Figuren, die mit leeren Händen stehen und friedlich aussehen, auch weibliche Figuren sind zu finden. Sie stehen an den Eingängen zu Gräbern, die unterirdisch waren (jetzt sind sie freigelegt). Man baute den Toten eine Art Kammer aus Steinen, die bemalt waren, in den Farben rot, gelb und schwarz. Die Kammern wurden mit großen, flachen Steinen geschlossen und mit Erde zugeschüttet. Die körperlichen Überreste lagen in Sarkophagen. Man fand heraus, dass auch die Figuren bemalt waren, bei den meisten ist die Farbe bereits verblasst aber bei zwei von ihnen kann man die Farbe noch sehr gut erkennen, da sie erst sehr spät ausgegraben wurden.
Die Gräber waren alle auf Hügeln gebaut, von denen aus man eine herrliche Aussicht auf die Umgebung genießen konnte. Auch waren die Parks, die eingerichtet wurden um die Grabstätten zu schützen unglaublich schön zurecht gemacht und gepflegt.
Der Tag, an dem wir einen der verschiedenen Parks/Stätten besuchten, war ein Besonderer: eine der Figuren, die in Museen auf der ganzen Welt verstreut sind, wurde an diesem Tag von Dänemark zurückgegeben. Sie wurde vor vielen Jahren aus Kolumbien geraubt und ging von Hand zu Hand. Am Ende tauchte sie bei einem wohlhabenden Dänen, der sie in seinem Garten stehen hatte. Es brauchte 4 Jahre Verhandlungen, bis Dänemark die Figur zurückgab. Und sie ist nicht die einzige. Drei weitere Figuren wurden in den letzten Jahren aus Dänemark, Portugal und den USA zurückgegeben. Ein Beispiel, das wir uns nehmen sollten: Das archäologische Museum in Berlin hat über 30 dieser Figuren, von denen nur höchstens zehn ausgestellt sind. Die meisten vergammeln in den Kellern des Museums.


Tierradentro

Neben den geheimnisvollen Statuen von San Agustin erkundeten wir ein weiteren Nachweis einer geheimnisvollen, unbekannten Kultur: die Grabkammern von Tierradentro („In der Erde“).
Diese Kultur, wiederum mit unbekanntem Namen, bestattete ihre Toten zunächst in einer mehrere Meter tiefen Grabkammer, in liegender oder sitzender Stellung mit Gebrauchsgegenständen des Alltags. Nach drei bis vier Jahren wurden die Überreste herausgeholt und in besonders mühevoll gearbeiteten und bemalten Urnen sekundär bestattet. Die Sekundärbestattung erfolgte in eine unterirdische Kammer, ein Hipogeo. Die Grabbeigaben, die dort gefunden wurden, waren sekulär, d.h., sie waren ebenfalls besonders gearbeitet. Es ist bis heute nicht bekannt, nach welchem Prinzip die Urnen in eine Kammer gelegt wurden, ob jede Familie ein Hipogeo hatte oder ob die Zuteilung anders erfolgte.
Die Hipogeos an sich waren bis zu 5m tief, in das Vulkangestein gehauen. Nachdem eine Bestattung abgeschlossen war, wurde der Eingang mit einem großen Stein geschlossen und der Treppenzugang mit Steinen und Erde zu geschüttet (bei jeder erneuten Bestattung musste der Zugang aufs Neue geöffnet werden).
An einer etwas abgelegenen Stätte besuchten wir etwas weniger gepflegte und gearbeitete Hipogeos. Um sie anlegen zu können, wurde ein ganzer Bergrücken abgetragen um dann in die so entstandene Ebene die Grabkammern hinein zu bauen. Der Bergrücken beheimatet etwa 20 Grabkammern. Eine von ihnen mit der Darstellung von Monden im oberen Teil, abgeteilt mit schwarzen Linien vom unteren Teil, in dem man Darstellungen von Salamandern finden konnte, dem Symbol für Männlichkeit und Fruchtbarkeit.
Von Tierradentro aus machten wir uns auf den Weg nach Bogota, wo wir davon ausgingen, dass uns ein Paket mit Ersatzteilen erwarten würde.

Dienstag, 27. Dezember 2011

Ecuador ade, scheiden tut weh...

Es sollte eine Zeit des Abschieds werden. Nicht nur sollten wir Ecuador verlassen, das uns mit seinen netten Menschen und der unglaublich schönen Natur und dem einmaligen Erlebnis des Vulkanausbruchs, für immer in sehr guter Erinnerung bleiben wird. Wir wussten auch, dass wir uns bald in Kolumbien von Sarah & Steve trennen müssten und auch Claus und Guido, mit denen wir nun seit 3 Monaten unterwegs waren, würden wir in Bogota verlassen. Aber bis dahin genossen wir noch den Rest von Ecuador und krochen langsam aber sicher auf die Grenze zu Kolumbien zu.
Ein bisschen mulmig war uns schon: Kolumbien, das Land der Guerillia, der Drogen, Korruption und der Gefahr. Allerdings wussten wir auch von anderen Reisenden, dass Kolumbien einen sehr schlechten Ruf hat, der nicht gerecht ist: durchweg ALLE Reisenden, die wir getroffen hatten, waren von Kolumbien begeistert. Und sie sollten Recht behalten: Sobald wir die Grenze überschritten haben, trafen wir völlig andere Menschen, als bis dahin. Alle sind unglaublich freundlich und offen. Ich kann gar nicht erklären wie schnell und nett man mit den Menschen in Kontakt tritt. Sie sind unglaublich neugierig und quatschen einfach gerne. Selbst als wir später, in Bogota ein paar Schwierigkeiten mit unserem Päckchen hatten, konnte man sich nicht ärgern, weil die Leute so nett waren.
Etwas erschrocken waren wir, als wir zum Lago Cocha fuhren, wo wir übernachten wollten und plötzlich von superjungen „Männern“ in Uniform umzingelt waren. Wie sich später herausstellen sollte, gibt es in Kolumbien eine sehr starke Militär- und Polizeipräsenz. Wir waren am Lago Cocha dem Militär in die Arme gelaufen. Zwar war uns angesichts der Waffen arg mulmig, aber die Jungs waren sehr nett. Und so sehr wir auch „suchten“....die Guerillia fanden wir nicht;)

Montag, 5. Dezember 2011

Tungurahua

Eigentlich planten wir von Quito aus die Grenze nach Kolumbien zu überqueren aber dann kam's doch anders, denn wir erfuhren, dass der Vulkan Tungurahua (bei Baños) zur Zeit wieder aktiv ist und Steine und Feuer spuckt. Zuerst ärgerten wir uns kurz, denn in Baños waren wir erst vor 2 Wochen. Aber wir ärgerten uns nur kurz und beschlossen einfach nochmal nach Baños zu fahren. Von unserem damaligen Schlafplatz aus hatten wir ja schon damals einen tollen Ausblick. Sarah und Steve, die wir auf dem Campingplatz getroffen haben, beschlossen kurzerhand ihre Reisepläne um zuschmeißen und mitzukommen. So eine Gelegenheit bietet sich nicht sooo oft im Leben.
Die Überfahrt verlief ohne Probleme, nur, dass es unterwegs anfing zu regnen und als wir am Schlafplatz ankamen, standen wir vor einer weißen Nebelwand. Zwischendurch zeigte sich Tungurahua dann doch und vor allem genossen wir ihr fernes Gegrummel, das klang wie ein fernes Gewitter. Die ganze Nacht lagen wir in unseren Autos und hörten dem Gegrummel zu. Ab und zu schauten wir aus dem Fenster, aber außer Nebel war nichts zu sehen.
Am nächsten Tag wechselten wir die Location in der Hoffnung einen Platz zu finden, von dem aus wir wenigstens ein bisschen Feuer-spucken sehen können. Leider kam auch diesmal ein dicker Nebel auf und wir wählten unser Nachtlager nach Gehör, d.h. wir blieben dort stehen, von wo aus das Gegrummel kam, inzwischen deutlich lauter als am ersten Schlafplatz. Den ganzen Abend bekamen wir nichts zu sehen und alle verkrochen sich in ihre Autos. Kurz vor dem Schlafengehen gingen wir nochmal raus und sahen, dass sich der Nebel und die Wolken verzogen hatten, man konnte die Spitze von Tungurahua sehen. Und ganz schwach auch noch etwas Rotes erkennen. Wir holten die anderen und stierten uns die Augen aus dem Kopf um was zu erkennen. Dann verschwanden die Wolken vollständig und uns bot sich ein einmaliger Ausblick auf den Steine und Feuer spuckenden Vulkan Tungurahua. Außer "Wahnsinn" fiel uns allen nicht viel mehr ein. Wir wurden zwei mal in der Nacht von neuen Ausbrüchen geweckt und haben uns gespannt das wundervolle Naturschauspiel angesehen.


Ecuador: viel grün und tolle Vulkane

Nach etwas mehr als 3 Wochen sind wir vor 4 Tagen in Quito angekommen. Nachdem in Vilcabamba 2Tage Regen „genossen“ haben, begaben wir uns auf der östlichen Route Richtung Norden. Leider war die Straße anders als im Reiseführer beschrieben so gut wie komplett geteert. Die Landschaft entschädigte uns aber für das schnelle Fortkommen. Neu waren auch die nachmittäglichen Regenschauern bzw. Gewitter. Die Schlafplatzwahl war auch hier in Ecuador kein Problem, wir fanden immer schöne Plätze in der Natur abseits der Wege.
Bei Macas überquerten wir für einen kurzen Abstecher die Berge und kamen vom Amazonasbecken in die Vulkanregion. Bei Baños hatten wir eine tolle Aussicht auf den Tungurahua und konnten etwas an unseren Autos schrauben. Zurück im Amazonasbecken besuchten wir die Bio-Reserva Jatun-Sacha und erlebten schöne Wanderungen durch den Wald und stiegen auf einen 30m hohen Aussichtsturm über den Baumwipfeln. Naja, Aussicht ja, aber Turm ist ein bißchen übertrieben, denn wir kletterten einen abgespannten Pfahl aus Stahlstangen hoch, mit einer Seitenlänge von etwa 20cm. Oben angekommen saßen wir auf einem Teller von etwa 2,5m mit einem Geländer von etwa 10cm. Also sehr abenteuerlich... Nach einem Abstecher zum höchsten Wasserfall Ecuadors ging es weiter zum Cotopaxi und zur Laguna Quilotoa. Wir konnten bis zum Beginn des Eisfeldes auf 5000m dem Gipfel des Cotopaxis näher kommen.
Hier in Quito haben wir im Hostal Zentrum bei Gerd (81 Jahre alt(!!!)) einen tollen Stellplatz und konnten uns ganz entspannt die Stadt ansehen. Eigentlich wollten wir weiter nach Kolumbien aber der Vulkan Tungurahua bei Baños ist wieder aktiv und wir wollen uns dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Wir sind alle gespannt was wir sehen werden. Für diesen Ausflug wird sich unsere Reisegruppe nochmal erweitern, denn Sarah und Steve mit ihrem roten Toyota (http://elrojito.blogsport.de/) begleiten uns.
Viele Grüße aus Quito Agnes und Claus.

Montag, 7. November 2011

Zum Abschluss noch schöne Ruinen bei Kuelap

Heute ist unser 2. Tag im grünen Ecuador. Da es die ganze Nacht geschüttet hat und Guidos Zelt und Motorradklamotten, die eigentlich zum Trocknen draußen hingen triefend nass sind, bleiben wir noch einen Tag in Vilcabamba. Die Einreise war wie immer kein Problem. Am kleinen Grenzübergang La Balsa haben wir Peru verlassen und haben auf der gegenüberliegenden Flussseite die Jungs vom ecuadorianischen Zoll ganz schön ins schwitzen gebracht, als wir dort mit drei Fahrzeugen aufkreuzten. Das Ausfüllen der vorübergehenden Importpapiere unserer Fahrzeuge dauerte gute 2 Stunden. Aber am Schluss waren alle glücklich, die Zöllner über unsere Geduld und das wir endlich weiter fahren und wir, dass es jetzt endlich weiter in ein neues Land geht.
Nach knapp 2,5 Monaten in Peru sind wir gespannt auf Ecuador. Jedoch hatte der Abschied von Peru noch ein ganz besonderen Leckerbissen für uns parat. Wir besuchten die Ruinen von Kuelap, einer Stätte der Chachapoya Kultur im Nord-Osten Perus. Die Wolkenkrieger, wie sie auch genannt werden, bauten große, wehrhafte Verteidigungsbauten in der Region. Sie waren berüchtigt für ihre Größe und in Kriegszeiten gefürchtet, da sie mit ihren rot angemalten Gesichtern nicht gerade zimperlich mit ihren Gegner umgangen sind. Die Geschichte berichtet, dass sie die Trophäen-Köpfe zur Schau stellten. Einer Ihrer Zufluchtsorte bei dem sich auch die Inka lange die Zähne aus gebissen haben ist Kuelap. Die Festung liegt auf einem Felskopf auf etwa 3000m Höhe. Die ovale Anlage hatte zwei Eingänge und einen Ausgang, die durch bis zu 20m hohe Mauern geschützt sind. Am Ende der treppenförmigen Aufstiege verengte sich der Weg so sehr, dass nur eine Person hindurch passte. Somit waren die Chachapoya in der Lage sogar nur mit etwa 20 Kriegern die ganze Festung zu verteidigen.
Da wir am späten Nachmittag die archäologische Stätte erreichten, verschoben wir unseren Besuch auf den nächsten Morgen. Am Frühen morgen lag die Festung noch im Morgennebel aber im Laufe der nächsten Stunden klarte es auf und wir begaben uns auf die Spuren der Wolkenkrieger. Die Anlage besteht aus ca. 400 Rundhausruinen von denen einige restauriert wurden. Einige wenige dieser runden Häuser mit spitzen Dächern waren mit Reliefs verziert und gehörten wahrscheinlich den Häuptlingen. Ob diese Stätte dauerhaft bewohnt war oder nur als Rückzugsort diente ist bis heute noch nicht klar. Auffallend ist jedoch, dass es ein ganz schönes Gedränge gegeben haben muss wenn bis zu 3000 Menschen sich zwischen den kleinen Wegen aufgehalten haben mussten. Der Ort ist in eine untere und eine obere Hälfte unterteilt in dem das einfache Volk und die Elite wahrscheinlich wohnte. Das faszinierende an diesem Ort ist, dass sich die Natur teilweise viel dieses Ortes zurück geholt hat und überall die Bäume mit Bromelien bewachsen sind. Diese Jungel-Atmosphäre machte auf uns einen ganz besonderen Eindruck was hoffentlich auf den Fotos zum Ausdruck kommt.
Am Mittag verließen wir die Stätte und machten uns auf in die gleichnamige Stadt Chachpoyas. Auf dem Weg dorthin haben wir dann zum ersten Mal die Bekanntschaft mit den sintflutartigen Regenfällen machen dürfen, die uns jetzt wohl öfters begegnen werden. Wir freuen uns auf Ecuador und hoffen das uns die Regenfälle nicht zu stark aufhalten.
P.S.: Noch ein Nachruf an alte Schrauber-Zeiten. Vor zwei Wochen mussten wir am Dicken auf der Straße die linke Bremszange demontieren da wir einen Haltebolzen der Beläge verloren hatten und dadurch die Bremsbeläge sich heraus gearbeitet hatten. Bei dieser Gelegenheit erinnerte ich mich an die tollen Schrauber des Fahrzeugversuchs in Elchingen (Florian, Mathias, Markus K, Andreas, Christian, Karle und Markus R). Vielleicht könnt ihr ja ein Notfallteam zusammenstellen das beim nächsten Vorfall ausrückt. Könnt das ja mal in eurer nächsten Werkstatt-Teambesprechung diskutieren ;-). Gruss natürlich auch an die Jungs im Büro. Claus