Montag, 5. Dezember 2011

Tungurahua

Eigentlich planten wir von Quito aus die Grenze nach Kolumbien zu überqueren aber dann kam's doch anders, denn wir erfuhren, dass der Vulkan Tungurahua (bei Baños) zur Zeit wieder aktiv ist und Steine und Feuer spuckt. Zuerst ärgerten wir uns kurz, denn in Baños waren wir erst vor 2 Wochen. Aber wir ärgerten uns nur kurz und beschlossen einfach nochmal nach Baños zu fahren. Von unserem damaligen Schlafplatz aus hatten wir ja schon damals einen tollen Ausblick. Sarah und Steve, die wir auf dem Campingplatz getroffen haben, beschlossen kurzerhand ihre Reisepläne um zuschmeißen und mitzukommen. So eine Gelegenheit bietet sich nicht sooo oft im Leben.
Die Überfahrt verlief ohne Probleme, nur, dass es unterwegs anfing zu regnen und als wir am Schlafplatz ankamen, standen wir vor einer weißen Nebelwand. Zwischendurch zeigte sich Tungurahua dann doch und vor allem genossen wir ihr fernes Gegrummel, das klang wie ein fernes Gewitter. Die ganze Nacht lagen wir in unseren Autos und hörten dem Gegrummel zu. Ab und zu schauten wir aus dem Fenster, aber außer Nebel war nichts zu sehen.
Am nächsten Tag wechselten wir die Location in der Hoffnung einen Platz zu finden, von dem aus wir wenigstens ein bisschen Feuer-spucken sehen können. Leider kam auch diesmal ein dicker Nebel auf und wir wählten unser Nachtlager nach Gehör, d.h. wir blieben dort stehen, von wo aus das Gegrummel kam, inzwischen deutlich lauter als am ersten Schlafplatz. Den ganzen Abend bekamen wir nichts zu sehen und alle verkrochen sich in ihre Autos. Kurz vor dem Schlafengehen gingen wir nochmal raus und sahen, dass sich der Nebel und die Wolken verzogen hatten, man konnte die Spitze von Tungurahua sehen. Und ganz schwach auch noch etwas Rotes erkennen. Wir holten die anderen und stierten uns die Augen aus dem Kopf um was zu erkennen. Dann verschwanden die Wolken vollständig und uns bot sich ein einmaliger Ausblick auf den Steine und Feuer spuckenden Vulkan Tungurahua. Außer "Wahnsinn" fiel uns allen nicht viel mehr ein. Wir wurden zwei mal in der Nacht von neuen Ausbrüchen geweckt und haben uns gespannt das wundervolle Naturschauspiel angesehen.


Ecuador: viel grün und tolle Vulkane

Nach etwas mehr als 3 Wochen sind wir vor 4 Tagen in Quito angekommen. Nachdem in Vilcabamba 2Tage Regen „genossen“ haben, begaben wir uns auf der östlichen Route Richtung Norden. Leider war die Straße anders als im Reiseführer beschrieben so gut wie komplett geteert. Die Landschaft entschädigte uns aber für das schnelle Fortkommen. Neu waren auch die nachmittäglichen Regenschauern bzw. Gewitter. Die Schlafplatzwahl war auch hier in Ecuador kein Problem, wir fanden immer schöne Plätze in der Natur abseits der Wege.
Bei Macas überquerten wir für einen kurzen Abstecher die Berge und kamen vom Amazonasbecken in die Vulkanregion. Bei Baños hatten wir eine tolle Aussicht auf den Tungurahua und konnten etwas an unseren Autos schrauben. Zurück im Amazonasbecken besuchten wir die Bio-Reserva Jatun-Sacha und erlebten schöne Wanderungen durch den Wald und stiegen auf einen 30m hohen Aussichtsturm über den Baumwipfeln. Naja, Aussicht ja, aber Turm ist ein bißchen übertrieben, denn wir kletterten einen abgespannten Pfahl aus Stahlstangen hoch, mit einer Seitenlänge von etwa 20cm. Oben angekommen saßen wir auf einem Teller von etwa 2,5m mit einem Geländer von etwa 10cm. Also sehr abenteuerlich... Nach einem Abstecher zum höchsten Wasserfall Ecuadors ging es weiter zum Cotopaxi und zur Laguna Quilotoa. Wir konnten bis zum Beginn des Eisfeldes auf 5000m dem Gipfel des Cotopaxis näher kommen.
Hier in Quito haben wir im Hostal Zentrum bei Gerd (81 Jahre alt(!!!)) einen tollen Stellplatz und konnten uns ganz entspannt die Stadt ansehen. Eigentlich wollten wir weiter nach Kolumbien aber der Vulkan Tungurahua bei Baños ist wieder aktiv und wir wollen uns dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Wir sind alle gespannt was wir sehen werden. Für diesen Ausflug wird sich unsere Reisegruppe nochmal erweitern, denn Sarah und Steve mit ihrem roten Toyota (http://elrojito.blogsport.de/) begleiten uns.
Viele Grüße aus Quito Agnes und Claus.

Montag, 7. November 2011

Zum Abschluss noch schöne Ruinen bei Kuelap

Heute ist unser 2. Tag im grünen Ecuador. Da es die ganze Nacht geschüttet hat und Guidos Zelt und Motorradklamotten, die eigentlich zum Trocknen draußen hingen triefend nass sind, bleiben wir noch einen Tag in Vilcabamba. Die Einreise war wie immer kein Problem. Am kleinen Grenzübergang La Balsa haben wir Peru verlassen und haben auf der gegenüberliegenden Flussseite die Jungs vom ecuadorianischen Zoll ganz schön ins schwitzen gebracht, als wir dort mit drei Fahrzeugen aufkreuzten. Das Ausfüllen der vorübergehenden Importpapiere unserer Fahrzeuge dauerte gute 2 Stunden. Aber am Schluss waren alle glücklich, die Zöllner über unsere Geduld und das wir endlich weiter fahren und wir, dass es jetzt endlich weiter in ein neues Land geht.
Nach knapp 2,5 Monaten in Peru sind wir gespannt auf Ecuador. Jedoch hatte der Abschied von Peru noch ein ganz besonderen Leckerbissen für uns parat. Wir besuchten die Ruinen von Kuelap, einer Stätte der Chachapoya Kultur im Nord-Osten Perus. Die Wolkenkrieger, wie sie auch genannt werden, bauten große, wehrhafte Verteidigungsbauten in der Region. Sie waren berüchtigt für ihre Größe und in Kriegszeiten gefürchtet, da sie mit ihren rot angemalten Gesichtern nicht gerade zimperlich mit ihren Gegner umgangen sind. Die Geschichte berichtet, dass sie die Trophäen-Köpfe zur Schau stellten. Einer Ihrer Zufluchtsorte bei dem sich auch die Inka lange die Zähne aus gebissen haben ist Kuelap. Die Festung liegt auf einem Felskopf auf etwa 3000m Höhe. Die ovale Anlage hatte zwei Eingänge und einen Ausgang, die durch bis zu 20m hohe Mauern geschützt sind. Am Ende der treppenförmigen Aufstiege verengte sich der Weg so sehr, dass nur eine Person hindurch passte. Somit waren die Chachapoya in der Lage sogar nur mit etwa 20 Kriegern die ganze Festung zu verteidigen.
Da wir am späten Nachmittag die archäologische Stätte erreichten, verschoben wir unseren Besuch auf den nächsten Morgen. Am Frühen morgen lag die Festung noch im Morgennebel aber im Laufe der nächsten Stunden klarte es auf und wir begaben uns auf die Spuren der Wolkenkrieger. Die Anlage besteht aus ca. 400 Rundhausruinen von denen einige restauriert wurden. Einige wenige dieser runden Häuser mit spitzen Dächern waren mit Reliefs verziert und gehörten wahrscheinlich den Häuptlingen. Ob diese Stätte dauerhaft bewohnt war oder nur als Rückzugsort diente ist bis heute noch nicht klar. Auffallend ist jedoch, dass es ein ganz schönes Gedränge gegeben haben muss wenn bis zu 3000 Menschen sich zwischen den kleinen Wegen aufgehalten haben mussten. Der Ort ist in eine untere und eine obere Hälfte unterteilt in dem das einfache Volk und die Elite wahrscheinlich wohnte. Das faszinierende an diesem Ort ist, dass sich die Natur teilweise viel dieses Ortes zurück geholt hat und überall die Bäume mit Bromelien bewachsen sind. Diese Jungel-Atmosphäre machte auf uns einen ganz besonderen Eindruck was hoffentlich auf den Fotos zum Ausdruck kommt.
Am Mittag verließen wir die Stätte und machten uns auf in die gleichnamige Stadt Chachpoyas. Auf dem Weg dorthin haben wir dann zum ersten Mal die Bekanntschaft mit den sintflutartigen Regenfällen machen dürfen, die uns jetzt wohl öfters begegnen werden. Wir freuen uns auf Ecuador und hoffen das uns die Regenfälle nicht zu stark aufhalten.
P.S.: Noch ein Nachruf an alte Schrauber-Zeiten. Vor zwei Wochen mussten wir am Dicken auf der Straße die linke Bremszange demontieren da wir einen Haltebolzen der Beläge verloren hatten und dadurch die Bremsbeläge sich heraus gearbeitet hatten. Bei dieser Gelegenheit erinnerte ich mich an die tollen Schrauber des Fahrzeugversuchs in Elchingen (Florian, Mathias, Markus K, Andreas, Christian, Karle und Markus R). Vielleicht könnt ihr ja ein Notfallteam zusammenstellen das beim nächsten Vorfall ausrückt. Könnt das ja mal in eurer nächsten Werkstatt-Teambesprechung diskutieren ;-). Gruss natürlich auch an die Jungs im Büro. Claus

Freitag, 4. November 2011

Die Cordillera Blanca

Nachdem wir Chavin de Huantar verlassen haben, führte uns unser Weg durch die berühmte Cordillera Blanca, die ihren Namen von all den schneebedeckten Bergen hat, die auf 180km mehr als 50 Berge, die über 5700m ü.NN beherbergt. Sie ist die höchste Gebirgskette Amerikas und wird zur pazifischen Küste von der Cordillera Negra abgegrenzt, die komplett schneefrei ist.
Wir genossen die Abgeschiedenheit auf dem Weg nach Huaraz und die Lagunen, die uns immer wieder aufs Neue bezauberten.
In Huaraz bereiteten wir uns ein wenig aufs Klettern vor (Essen einkaufen, Wasser holen und Klettergebiet aussuchen). Wir waren dann in Shupluy Klettern, wo es 20 Routen in unserem Schwierigkeitsgrad gab (5+ bis 6c), die supergut gesichert waren und auch recht anspruchsvoll. Auch Claus und Guido versuchten sich als Kletterer, doch die nächsten "Huberbuam" werden sie wohl nicht werden.
An der Laguna Paron hatte LandCruiser-Claus eine unheimliche Begegnung der löchrigen Art, als beim Rückwärts fahren plötzlich der Boden krachte und sein Auto mit der Schnauze nach oben stand: er fuhr über eine alte Brücke, die mit Erde bedeckt war (so dass man sie nicht mehr wirklich als Brücke erkennen konnte), als einer von den Balken nachgab weil er morsch war. Zum Glück ist Claus bestens vorbereitet und konnte sich mit seiner Seilwinde an unserem Dicken raus ziehen.
Am nächsten Morgen gab es 'ne kleine Wanderung um die Laguna Paron und los ging's zum Cañon del Pato. Dort fuhren wir eigentlich nur durch, denn wir wollten uns beeilen um Claus' Geburtstag am Meer zu feiern.
Am Pazifik besuchten wir einen Komplex der Moche Kultur, mit dem Grab einer HerrscherIN! Danach widmeten wir uns ausführlichst dem Geburtstagsfeiern, mit Grillen, Bowle und Wein. War ein schöner Abend!
Der weitere Weg führte dann nach Kuelap, über Cajamarca, wo wir ein Motocross-Rennen besuchten, mit leckerem Essen. Über saftig grüne Felder, Wiesen und Felder ging es dann nach Kuelap.

Donnerstag, 3. November 2011

Caral und Chavin de Huantar - die ältesten Kulturen Amerikas

Zwei der beeindruckendsten Stätten die wir in Peru besucht haben, waren Caral und Chavin de Huantar.
Caral liegt etwa 200 km nördlich von Lima und ist die älteste Stadt des amerikanischen Kontinents, datiert auf etwa 3000-1200 vor Christus. In seiner Blütezeit lebten dort etwa 1000 Personen. Caral selbst besteht aus 6 Pyramiden, die als Zeremonialzentren genutzt wurden. Man entdeckte in der Nähe der Pyramiden Bauten, die voraussichtlich den Priestern gehörten sowie der Elite. In jeder Pyramide und in jedem Wohnhaus fand man Feuerstellen, in denen Tag und Nacht Zeremonialfeuer brannten. Weiter außerhalb von Caral lebten Bauern und Fischer, die das Zentrum mit Nahrungsmitteln versorgten. Um die eigentliche Stätte herum fand man weitere 20 kleinere Zentren, die selbst auch mehrere wenn auch kleinere Pyramiden beheimaten. Ganz spannend war es zu sehen, dass der Quipu, Knotenschnüre, die der „Buchführung“ dienten, aber auch als Nachrichtenmittel
Quipu
fungierten, der auch noch von den Inka benutzt wurde, hier quasi erfunden wurde. Auch fand man in der Hauptpyramide einen Mann, der ganz offensichtlich dort geopfert wurde, da sein Kopf eingeschlagen war und er an Händen und Füßen gefesselt war. In den umliegenden Pyramiden fand man 3 Leichen von Kleinkindern, die allerdings keine Verletzungen aufweisen, was vermuten lässt, dass sie nicht geopfert wurden, sondern als Kinder von Adeligen dort begraben. Was allerdings nicht aufzufinden ist, weder in Caral, noch in den umgebenden Stätten sind einerseits Waffen, was auf eine sehr friedliche Kultur hinweist andererseits aber auch ein Friedhof. Bis heute ist es den Forschern ein Rätsel, was die Caral mit ihren Toten gemacht haben.

Weiter führte uns der Weg nach Chavin de Huantar, das bis zur Entdeckung von Caral als die älteste Kultur Amerikas galt. Hier waren vor allem die Galerias beeindruckend: im Neuen Tempel gibt es eine Art Katakomben: superlange Tunnels, die durch kleine Fenster mit frischer Luft versorgt werden. Es ist bekannt, dass nur die Priester Zugang zu den Galerias hatten und es wird darüber spekuliert, ob sie nicht manchmal auch dazu dienten um den Normalsterblichen Angst zu machen, indem plötzlich irgendwelche Geräusche aus dem Boden kamen. Was man allerdings auf jeden Fall sagen kann, ist dass sie Opfergaben bargen.
In einer der Galerien konnten wir den Lanzón bewundern, eine 4,53m hohe, in Stein gehauene Gottheit. Vermutlich verkörpert sie die Weltenachse, eine Art Mittler zwischen der Ober-, Mittel- und Unterwelt der Chavin. Da man in der Skulptur auch einen von oben eingearbeiteten Kanal gefunden hat, wird von einigen Forschern vermutet, dass auf sie das Blut von Opfern gegossen wurde.
In dem zur Stätte gehörenden Museum konnten wir den Tello-Obelisk als Original genießen, von dem wir in Lima schon eine Kopie gesehen haben. Auf dem Obelisk sind zwei Krokodile dargestellt, die auf den ersten Blick gleich erscheinen, beim näheren Hinsehen sich aber als Darstellungen der, in vielenindigenen Kulturen verehrten, Dualität herausstellen: weiblich-männlich,Regenzeit- Trockenzeit, Oberwelt-Unterwelt. Auch die Vogelwächter, die am Schwarz-Weiß-Portal des Neuen Tempels den Eingang bewachen, sind Darstellungen eben dieser Dualität. Das Schwarz-Weiß-Portal trägt diesen Namen, weil den Eingang zum Neuen Tempel auf einer Seite weißen Marmorplatten, auf der anderen Seite schwarzen Kalksteinplatten flankierten. Im neuen Tempel wurde die Lächelnde Gottheit aufbewahrt, die wir ebenfalls im Museum gesehen haben.

In der Stadt Chavin de Huantar wurde gerade zu der Zeit als wir da waren 108. Geburtstag der Stadt gefeiert und wir konnten uns den Umzug der umliegenden Ortschaften, die zum Gratulieren gekommen sind anschauen. Lange blieben wir allerdings nicht, denn es zog uns weiter nach Huaraz an die Cordillera Blanca und zum Klettern.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Lima, eine tolle Hauptstadt

 Wir waren ja schon auf das Schlimmste vorbereitet, dachten wir, in der Anreise nach Lima. Denn es ist DIE HAUPTSTADT von Peru, also wird es laut, hektisch, gefährlich, Großstadt eben, dachten wir. Und wirklich, ich kann keinem empfehlen hier mit dem Auto unterwegs zu sein. Und unser "Böser Biker" hat noch viel weniger zu lachen, auf den wird hier regelrecht Jagt gemacht.
Aber abgesehen von einer sehr eigentümlichen Fahrweise, ist die Stadt wirklich nett. Wir sind hier im Club Germania, mit 2 Autos und nem Mopped völlig problemlos aufgenommen worden und inzwischen sind wir auch mit den Wachmännern vertraut. Jedenfalls ist unser Schlafplatz toll. Wir sind mitten in Lima und können hier unser Auto unabgeschlossen stehen lassen. Klasse.
Und auch bei unseren  Stadtrundfahren wars echt nett. Die Busfahrt ist wegen des Verkehrs und der Holperei und den rasanten Fahrmanövern, ein Erlebnis. Aber alle Busfahrer und auch die Fahrgäste kümmerten sich bisher rührend darum, dass wir verlorenen "Gringos" in den richtigen Bus rein und auch wieder raus kommen. Die Museen sind toll und gestern haben wir hier auch noch "Oktoberfest" gefeiert, leider ohne Doris und Lothar, die schon nach Nasca gefahren sind. Die Feier war so gut, dass wir doch nicht schon heute morgen hier abgefahren sind, sondern die Abfahrt auf morgen verschoben haben. Leiderleider hatte ich mein Fotoapparat nicht mitgenommen, denn es wären bestimmt witzige Fotos geworden:)

Freitag, 7. Oktober 2011

Von den Inca zu den Nasca

Die letzten drei Wochen haben wir zwar viel erlebt aber irgendwie lässt sich das nicht so richtig in Worte fassen.
Wir haben ein paar Stätten um Cusco besucht (Ollantaytambo, Moray und Pisac) und sind dann über eine Woche lang durch die Pampa nach Nasca gefahren. Die Aussichten waren super aber es war mal wieder eisig kalt also waren wir ganz froh wieder von den 3000-4000Metern runter zu kommen und in wärmeren Gefilden zu sein.
Superschön war es auf dem Friedhof der Nasca, der inzwischen von Archäologen teilweise wieder rekonstruiert wurde. In den Gräbern waren die Mumien der Nasca zu betrachten, die größtenteils aufgrund des trockenen Klimas natürlich konserviert sind. Sie wurden dann in hockender Haltung in wertvolle Tücher eingewickelt. Für mich wirkten die Mumien, wie Weise, in deren Kreis man sich setzen kann, um sie nach einem Rat zu fragen. Wirklich schön. Was uns auch unglaublich beeindruckt hat, waren die Keramiken der Nasca, die wir in dem wunderbaren, superschön aufgearbeiteten Orefeci-Museum gesehen haben. Leider haben wir ausgerechnet dort keine Fotos gemacht, aber die Italiener haben ganze Arbeit geleistet ihre Arbeit uns Laien nahe zu bringen.
Am darauf folgenden Tag besuchten wir die Nasca-Linien. Aus touristen-zahlen-immer-alles-Gründen, sind die Preise für 30Min Flug über die Linien von 40US$ vor drei Jahren, auf 100US$ heute, gestiegen. Wir vier waren uns sehr schnell einig, dass wir das nicht zahlen werden und sahen uns die Linien vom Boden aus an. Es gibt 3 verschiedene Typen von Nasca-Linien: Die Figuren (eine Spinne, eine Blume, ein Kondor, ein Affe usw.), das sind die ältesten, geometrische Figuren (vorwiegend Dreiecke), die wohl als Versammlungsplätze dienten und gerade Linien, die als die Jüngsten identifiziert wurden. Von einem Aussichtsberg und einem Aussichtsturm aus sahen wir alle drei Typen der Linien und wir stellten uns, genau wie die Forschung auch, die Frage: Wie haben die das bloß gemacht, dass sie die Figuren so exakt und die Linien so gerade hingekriegt haben. Es ist unvorstellbar, dass diese Linien etwa 200 v.Chr bis 800 n.Chr entstanden sind!
Von den Nasca beeindruckt fuhren wir über Ica (wo wir mit unseren Autos schön im Sand spielten) in die Nähe von Pisco an den Strand, wo wir zwei Tage pausierten (und mit unseren Autos und Mopped im Sand spielten) und wieder Seehunde und Delphine sehen durften. Inzwischen sind wir in der schönen, aber total verrückten Hauptstadt von Peru: Lima. Die Auto- und vor allem Busfahrer rauben uns den letzten Nerv, aber die Menschen sind nett, ganz besonders hier im Club Germania, wo wir vorübergehend wohnen dürfen. Hier haben wir auch Doris und Lothar getroffen, die mit ihrem Toyota-Bussle unterwegs sind und genießen jetzt zu sechst unsere Zeit hier.

Sonntag, 18. September 2011

Die Wiege des Goldes: Choquequirao

Seit über zwei Wochen sind wir nun mit unserem "Reiseplan" unterwegs. Um ehrlich zu sein haben wir uns etwa die ersten 3-4 Tage an ihn gehalten, dann trafen wir zwei Jungs, mit denen wir tiefer als geplant in den Canyon Cotahuasi hineinfuhren und uns über unbekannte Trampelpfade zur Teerstraße in Richtung Cusco durchschlugen. Wir verbrachten gemeinsam ein paar Tage in Abancay und trennten uns dann an der Abzweigung nach Cachora, von wo aus Claus und ich nach Choquequirao wandern wollten. Mit Guido (http://www.rideon-motorradabenteuer.blogspot.com)und Claus (nein, das ist kein Tippfehler, der heißt auch so) verabredeten wir uns sechs Tage später in Cusco.
Das Auto stellten wir in Cachora unter und am Samstag morgen um 6:30 Uhr wanderten wir los, nach Choquequirao. Zunächst wunderten wir uns darüber, dass so viele Leute für den Track mit Führern gehen und Pferde mieten, denn der Weg war leicht sichtbar und schien gar nicht mal soooo anstrengend. Aber gegen Mittag ging es los: Die Sonne brannte erbarmungslos auf uns runter und wir stiegen auf etwa 10 km 1500 Höhenmeter ab, jeder mit etwa 15Kg Gepäck auf dem Rücken, das ging in die Waden, mein lieber Scholli! Um 15 Uhr war für uns Feierabend, wir konnten beide keinen Meter mehr laufen. Claus schlief ein wo er gerade stand, der Ärmste!
Nächster Morgen, 4:00 aufstehen, um 4:45 sind wir wieder los, denn es erwartete uns ein Aufstieg von 1500 Metern in 5 km, den wir dann in 5 Stunden bewältigten. Nach weiteren 4km sind wir auf dem Campingplatz angekommen, fielen einfach auf den Boden und schliefen erst mal eine Stunde zwischen unseren Rucksäcken. Witzigerweise hatten wir noch Muskelkater vom Abstieg am Vortag, dazu kamen die Schmerzen vom Aufstieg und so konnten wir beide einfach nicht mehr laufen, weil uns ALLE Muskeln an den Beinen, bis zum Hintern wehgetan haben. Wir liefen herum wie auf Stelzen. Zum Glück hatten wir mit den Parkaufsehern ausgemacht, dass wir den ganzen folgenden Tag auf Choquequirao bleiben durften, so konnten wir noch entspannen, während die anderen noch etwa eine halbe Stunde bergauf mussten um sich die Stätte anzuschauen.
Und wieder war es 5:00 Uhr morgens, als wir am darauf folgenden morgen aufwachten. Wir wollten eigentlich den Sonnenaufgang sehen, aber es war zu bewölkt, trotzdem war an Schlaf nicht mehr zu denken: wir wollten endlich Choquequirao sehen. Noch immer wie auf Stelzen laufend, unter Schmerzen erklommen wir zunächst das administrative Zentrum, dann den Hauptplatz. Die Gebäude versteckten sich alle im dicken Nebel und ließen uns ihre Ausmaße nur erahnen. Es war schön und spannend in dieser geheimnisvollen Atmosphäre durch die Stätte zu laufen. Trotzdem waren wir froh, als gegen 11 Uhr der Nebel immer lichter wurde und wir auch die berauschende Natur bewundern konnten und die ganze Pracht der Anlage vor uns sichtbar wurde.
Choquequirao wird als die Schwesternstadt von Machu Picchu bezeichnet: sie liegt höher als Machu Picchu und ist bei weitem, nicht einmal annähernd so oft besucht wie ihr gequälter Bruder. Ihr Name kommt aus dem Quechua und bedeutet "Wiege des Goldes". Es scheint als wäre der gesamte Berg mit Terrassen versehen worden, was man nur erahnen kann, denn Choquequirao ist nur zu etwa 40% ausgegraben. Auf einer Seite sind die Terrassen, auf denen vermutlich Mais und Koka angebaut wurde, mit großen Lama-Figuren geschmückt. Über dem Hauptplatz ragt ein Berggipfel, der keiner mehr ist, denn er wurde von den Inka abgetragen, um einen zeremoniellen Platz zu schaffen. Heute tummeln sich dort Schmetterlinge. Die Gebäude sind alle ähnlich wie in Machu Picchu erbaut und es wird vermutet, dass es im Auftrag vom gleichen Herrscher erbaut wurde.
Ich will nicht langweilen, aber wir haben wunderbare 6 Stunden auf der Stätte verbracht und waren die meiste Zeit ganz alleine da. Die Aussichten über die Schluchten und Berge, die Choquequirao umgeben, die Kondore und Adler, die sie umkreisen haben uns wirklich bezaubert. Den Muskelkater haben wir weggewandert und komplett vergessen.
Der Heimweg führte auf dem gleichen Pfad wie der Hinweg. Aber Langeweile kam nicht auf, denn nun sah man die Natur aus einer anderen Perspektive als auf dem Hinweg und zum anderen verfielen wir beim Wandern aufgrund der Erschöpfung in eine Art Meditation, nur auf den nächsten Schritt konzentriert, nur auf den nächsten Atemzug.
Endlich in Cachora angekommen waren wir froh unseren Dicken wieder zu sehen, denn wir hatten ihn sehr vermisst. Die Frau, bei der wir den Dicken untergestellt hatten, bewirtete uns noch ganz nett mit leckerem, knusprigem Schweinefleisch mit Kartoffeln und dazu gab es das etwas gewöhnungsbedürftige, aber sehr passende Chicha, ein Bier-ähnliches, aus vergorenem Mais gewonnenes Getränk, das schon die guten Inka tranken. Übermüdet aber satt und glücklich machten wir uns auf den Weg nach Cusco.

Dienstag, 30. August 2011

Im Land der Inka

Wir sind jetzt seit ein paar Tagen in Peru und bevor ich von unseren Erlebnissen zu sprechen komme, möchte ich noch ein paar Worte zu unseren Grenzübergängen verlieren, denn oft hören und lesen wir von Reisenden, die Schwierigkeiten an der Grenze haben, die Schmiergeld zahlen sollen und so weiter. Wir hören und lesen dann aber auch, dass sie der Aufforderung nicht Folge leisten, was sehr wichtig ist, angesichts der Vorstellung von dem überreichen Gringo, der sich das Geld aus der Tasche ziehel lässt, die hier vorherrscht. Wir hatten bisher immer Glück mit unseren Grenzübergängen. In Argentinien und Chile sind wir sogar richtig gerne über die Grenze gegangen, denn es gab meistens was zu lachen, nette Beamte, verrückte Begegnungen. Trotzdem wussten wir, dass sich das ändern wird, wenn wir weiter in Richtung Norden fahren werden. Aber auch da hatten wir bisher Glück. Bei der Einreise nach Bolivien (wir reisten über Colchane aus Chile ein) klärte uns der Beamte vom Zoll, bei dem wir unser Auto einführten, ausführlich über unsere Rechte und Pflichten auf und warnte uns vor Gefahren. Aus Bolivien reisten wir dann über Desaguadero aus, den Grenzübergang südlich von Copacabana. Die Grenze ist superchaotisch, denn sie liegt mitten in der Stadt. Damit LKWs mit ihren Ladungen nicht über die Grenze gehen müssen, werden sie vor dieser entladen und dreirädrigen Fahrrädern mit Ladefläche über die Grenze gekarrt. Da die Fahrer pro Ladung bezahlt werden, rasen sie mit den Geräten richtig schnell und können meist nicht bremsen. Und mitten in dem Gewusel sind wir beiden. Hier hatten wir es lediglich mit einem Bezirkspolizisten zu tun, der was für sich abzwacken wollte, aber als wir darauf bestanden alles mit Beleg und in Soles abzuwickeln, ließ er schnell von seiner Idee ab.
Erst gestern habe ich auf der Homepage anderer Reisender eine viel schlimmere Geschichte gelesen, dass wirklich JEDER Grenzbeamte die Hand aufgehalten hätte und zwar ohne Umschweife, aber die beiden haben sich sehr tapfer geschlagen und haben nichts bezahlt. Ich bin jedenfalls froh, dass wir eine solche Situation noch nicht hatten. *Daumendrück*, dass das so weitergeht!!
So und nun zum Schönen: Auch wenn wir es sehr genossen haben in Argentinien und Chile durch wunderbare und wunderschöne Landschaften zu fahren, so sind wir sehr gespannt auf das was jetzt kommt, denn jetzt bewegen wir auf den Spuren der alten Kulturen. Mir als ehemaliger Altamerikanistin geht das Herz auf, wenn ich an die teilweise kolossalen Bauten und Figuren mit ihrem filigranen Schmuck denke und auch Claus hat sich schon vor Jahren von meiner Leidenschaft anstecken lassen. Nun sind wir also endlich da, im Land der Inka, aber auch den wunderbaren Kulturen, die hier vor den Inka geherrscht haben. Angefangen haben wir in Sillustani, wo wir sehr schöne chullpas gesehen haben. Das sind eine Art Türme, die bis zu 12 Meter hoch waren und zunächst den Colla und Tiwanaku und dann den Inka als Begräbnisstätten dienten. Die Körper wurden mitsamt Grabbeigaben in einer künstlichen Höhle begraben um die herum dann ein Turm gebaut wurde. Der winzige Eingang zu der Stätte wurde nach der Beisetzung des Leichnams und der Grabbeigaben geschlossen. Je nachdem aus welcher Zeit die chullpas sind, sind die Außentürme mit Kalk verschönert oder aus riesigen Steinen oder, nach der Bauweise der Inka, aus exakt aneinandergefügten Steinen gebaut.
Von Sillustani aus sind wir ziemlich direkt nach Arequipa gefahren und uns hier bei einer netten Dame für relativ wenig Geld eingenistet. Wir schauten uns die Stadt an, besuchten das Kloster Santa Catalina mit abgefahrener Geschichte: eine Reiche Witwe hatte es 1580 gegründet. Damals war es in Peru so Gang und Gebe, dass das jeweils zweite Kind einer reichen spanischen Familie in den Kirchendienst eintreten musste. So versammelten sich die reichen Töchter in Santa Catalina. Sie bewohnten dort kleine Suiten, hatten Sklaven und Diener und feierten wohl schöne Parties dort, bis die gute Frau verstarb und von einer Spielverderberin ersetzte, die dem schönen Leben radikal ein Ende setzte. Ich habe in meinem Leben noch nie ein so ausgestattetes Kloster gesehen. Jaja, Nonne im 16Jh sollte man sein;)
Aber wir haben uns hier nicht nur vergnügt, wir haben etwas getan, das wir seit Anbeginn der Reise nicht getan haben: Wir haben begonnen unsere Reise zu planen...naja, ihr wenigstens einen groben Rahmen zu geben. Da wir demnächst in Länder einreisen werden, in denen die Regenzeit anfängt und auch unsere Reisezeit sich langsam dem Ende neigt, haben wir nen groben  Plan für Peru erstellt und uns einige Gedanken zu Ecuador gemacht. Leider fühlt es sich nicht sehr gut an ab jetzt nach einer Art Stundenplan zu reisen, wir werden ja sehen, wie lange wir uns an den Plan halten werden ;).
Ach so, und wir werden... naja, wie soll man sagen... aus moralischen Gründen Machu Picchu auslassen. Wir können es einfach nicht vertreten, wie de Stätte ausgebeutet wird. In der Hauptsaison wird sie von bis zu 4500 Besuchern PRO TAG!!!!! niedergetrampelt, durchschnittlich gehen 2500 Menschen dort durch. Die UNESCO verlangt seit Jahren, dass die Besucherzahl auf 800 am Tag höchstens reduziert wird, aber die Regierung will die Geldkuh Machu Picchu so lange melken, wie sie Milch gibt. Es gibt bereits schon Pläne wie man noch schneller noch mehr Touristen dahin bringt, in 3 Schichten!!!! Könnt ihr Euch so viele Touristen Fotos-knipsend, Schokoriegel-essend und Müll-auf-den-Boden-werfend im Petersdom vorstellen? Wir auch nicht, obwohl wir nicht sehr katholisch sind. Auch wenn die Stätte wirklich atemberaubend sein muss und auch in einer atemberaubenden Umgebung gelegen ist, wie kann man das denn genießen, wenn man von hunderten von Menschen umgeben ist.
Aber Peru ist mehr als Machu Picchu und wir haben uns ein paar Stätten herausgesucht, die aufwändiger zu besuchen sind aber nicht unmöglich..

Montag, 29. August 2011

Bye Bye Bolivia

Wir sind jetzt seit vier Tagen in Peru aber wir wollen noch einen kurzen Nachtrag zu Bolivien machen:
Nach der Durchquerung der Salar de Uyuni sind wir Richtung Norden durch die Städte Potosi, Sucre, Aiquile und vorbei an der archäologischen Stätte von Samaipata bis nach Santa Cruz getrudelt. In Potosi machten wir die ersten Bekanntschaften mit dem chaotischen Fahrverhalten der Autofahrer und lernten schnell, dass die Hupe, das wichtigste Teil eines Autos ist, wohingegen die Bremse als
Allerletztes zur Anwendung kommt. In den folgenden Tagen verbrachten wir viele Stunden im Auto und dies zog sich durch unsere gesamte Bolivien Reise. Erst am Titicacasee, wo wir zwei Tage Pause machten und dann kurze Zeit später in La Paz, wo wir eine Woche überbrücken mussten, da mal wieder etwas an der Kamera defekt war, haben wir uns mehr Ruhe gegönnt.
Wir haben auf dem Weg nach Santa Cruz das Altiplano verlassen, konnten bei einer Routinekontrolle der Drogenpolizei gleich ein Schwätzchen machen und in die staunenden Gesichter blicken als wir erzählten, dass wir in diesem (Chaos-)Auto schlafen. Da wir durch unzählige fruchtbare Flusstäler kamen, konnten wir uns in jedem Dorf mit frischem Gemüse eindecken was unseren Speiseplan sehr erweitert hat. Bei einem Abstecher in den Wald haben wir zwei ältere Herren als Anhalter mit genommen, die seit 20 Jahren nicht mehr in ihrem Heimatdorf waren. Am gleichen Abend trafen wir einen Obstbauern, der uns, nachdem er uns 15 Orangen geschenk hatte, erzählte, wie er als Kind Che Guevara bei seinen Eltern auf dem Bauernhof zu Besuch hatte. Er berichtete stolz das Che zwei Pistolen, eine Machete und zwei Uhren trug und ihnen einen Liter Milch abkaufte bevor er seine Wanderung nach Samaipata fortsetzte.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Santa Cruz sind über Concepcion weiter nach Trinidad durch das Flachland Boliviens gefahren. Nach dem wir kurz nach Santa Cruz für eine Brückenmaut unglaubliche 70 Bolivianos zahlen sollten (runter gehandelt auf 20, was immer noch zu viel war), mussten wir nach Trinidad mit unserem letzten Bargeld eine abenteuerliche Flussüberquerung per Floss bezahlen. Wir wurden auf Holzflößen übergesetzt, die von kleinen Motor-betriebenen Bötchen und fanden das schon nicht ganz ungefährlich. Aber als wir sahen, dass dort auch 40ton Bagger und LKW's über den Fluss
gebracht wurden, war es uns wieder wohler. Im weiteren Verlauf konnten wir am Straßenrand Alligatoren, Wasserschweine und viele verschiedene Vögel beobachten und fotografieren. Nach Trinidad waren die Straßen nicht mehr geteert und ab Yucumo wo wir ins hügelige und bewaldete Bergland eintauchten wurden die Straßen noch schlechter. Es gab mehrere Tage hintereinander an denen wir nicht viel mehr als 100km schafften, obwohl wir 5-6 Stunden fuhren. Zu den schlechten Straßenverhältnissen kam noch das für uns bis jetzt recht unbekannte Problem hinzu, dass wir keine geeigneten Schlafplätze fanden. Es gab so gut wie keine Stichstraßen und freie Flächen auf die wir uns hätten hinstellen können. Oft haben wir uns an Flussläufe gestellt an denen Kies für dem Straßenbau abgetragen wurde. Die Bauarbeiter waren durchweg sehr freundlich und begannen immer einen netten Plausch.
Ab Caranavi entschlossen wir nicht direkt nach La Paz zu fahren und nahmen den Umweg über Maipiri und weiter nach Sorata. Ab Maipiri haben wir uns in einer zweitägigen Abenteuerfahrt entlang des Rio Maipiri und des Rio Consata nach Sorata durchgearbeitet. Teilweise war die Straße nur so breit, dass unser Dicker gerade durch passte. Wir mussten beide unsere Nasen aus dem Fenster halten um auf der einen Seite so nah wie möglich am Berghang zu fahren und auf der anderen Seite zu signalisieren wieviel Platz noch bis zum Abgrund ist (und das alles nach unserem Unfall, ihr könnt euch vorstellen wie schnell unsere Herzen schlugen). Erst waren wir nur ca. 50m über dem Fluss. Im weiteren Verlauf schraubten wir uns dann hoch auf 150-200m. Die einspurige Straße führte an vielen Goldminen und kleinen Dörfern vorbei. Nach einer spannenden Serpentinenauffahrt von ca. 1000 Höhenmetern hatten wir eine tolle Aussicht über die Flusstäler. In Sorata (2700m) übernachteten wir bei Stefan, der ein kleines Café betreibt und als Schweizer Bäcker eigenes Brot und Brötchen verkauft. Nach den Unruhen in Bolivien 2002/03 unterstützt er durch ehrenamtliche Arbeit die Kinder von Sorata. Wer mehr erfahren möchte: http://help4sorata.ch.
Die letzten 2000 Höhenmeter ab Sorata absolvierten wir in ca. 40km um wieder auf dem Altiplano auf 3850m an zu kommen. Unserem Dicken gefällt die Höhe gar nicht, er kommt zwar immer noch gut voran aber dafür qualmt er wie eine Dampflok. Angekommen am Titicacasee entspannten wir uns erst einmal. Sahen den Fischern zu und befreiten unseren Dicken von der Staubschicht, die sich in den letzten zwei Wochen angesammelt hatte. Wir wuschen ein letztes Mal unsere Fahrräder im See und verschenkten sie drei Tage später in La Paz an ein Kinderheim. Nach einem 2 stündigen Zickzack-Krus wegen Straßenblockaden durch die Vororte von La Paz, verbrachten wir die erste Nacht bei Ernesto Hug, in der wahrscheinlich saubersten und aufgeräumtesten Werkstatt Südamerikas (nochmal vielen Dank dafür). Die nächsten
beiden Nächte standen wir auf dem nicht so schönen Parkplatz des Hotels Oberland, wo wir die ersten längeren Kontakte mit Panamericana-Reisenden machten. Wir tauschten Karten gegen Reiseführer und bekamen und gaben den ein oder anderen Tipp. Und endlich konnten wir nach Ewigkeiten wieder mit unseren Familien skypen. Nach einem Abstecher zur archäologischen Stätte von Tiwanaco nutzen wir die letzten 3 Tage in La Paz zum Klettern. Wir trafen Willy, Scotty (Hund) und Georgy (Katze) und verbrachten sehr nette Nachmittage und Abende in Willy's 1968er Mercedes Benz LKW mit Hund und Katze. Und dann führte uns der Weg weiter nach Peru.

Montag, 1. August 2011

Cruzar la Salar de Uyuni

Am zweiten Tag in Boliven stehen wir am Abend am Ufer der Salar de Uyuni. Wir haben einige Leute gefragt wie wir den auf sie kommen und ob es eine Spur gibt der wir folgen können um den ­See zu durchqueren. Meistens war die Antwort „ Klar kein Problem. Ist etwas Wasser drauf aber immer gerade aus.“ Irgendwie gaben uns diese Antworten nie ein zufriedenstellendes Gefühl, denn wir konnten uns nicht vorstellen einfach über die Uferbegrenzung zufahren und ab gehts. Jetzt stehen wir am Ufer und haben die erste Runde durchs Wasser hinter uns und sind total verunsichert. Denn nahe am Ufer sind wir eben  bei unserem ersten Versuch ziemlich eingesunken und das war nicht so prickelnd. Und dann plötzlich: „Agnes schau, ich glaub ich spinn'.“ Ein gelber Geländewagen und dann noch ein LKW, die etwa 500m vor uns auf der Wasser bedeckten Salzkruste fahren. „Ok, wenn die das können machen wir das auch“ aber erst morgen, denn es ist schon nach 17Uhr. 
Wir schlafen unruhig und frieren, da der Salzsee eine enorme Kälte ausstrahlt. Am nächsten morgen sind wir etwas nervös aber die Aussicht auf die spiegelglatte Wasseroberfläche lenkt uns erst mal ab. Dann kommen die Fahrzeuge von gestern wieder über denn See und jetzt gibt es kein zurück. Agnes ist dran mit fahren und mit vereinten Kräften bewegen wir uns im kleinen Gang die ersten Meter auf der Salzkruste und arbeiten uns bei einem Wasserstand von 30cm zu ungefähr der Stelle vor, wo wir die anderen Fahrzeuge gesehen haben. Es ist unglaublich. Alles, der Himmel und die Umgebung spiegelt sich im Wasser und die Tiefe der Sicht verliert sich im Raum. Wir fahren einer weißen Wand entgegen und können uns nur an den vereinzelten Inseln, die wie kleine Berge am Horizont erkennbar sind und an unserem GPS orientieren. Nach ca. 15km entscheiden wir uns nicht von Norden nach Süden zu fahren, sondern diagonal direkt nach Uyuni. Der ausgerechnete GPS Punkt sagt 49km. Keiner von uns bemerkt das es eigentlich viel mehr sein müssen. Wir sind so begeistert und berauscht von diesem Abenteuer und den Eindrücken, dass wir einfach weiter fahren im glauben, dass wir in 3h bei ca. 15km/h am Ziel sind. Wir fahren absichtlich langsam um den Wagen nicht 
unnötig mit Salz vollzuspritzen. Gegen 15Uhr, wir passieren gerade den errechneten Punkt, wird es uns schlagartig klar. Wir haben uns um 0.5 Grad verrechnet und der neue Punkt liegt ab hier noch 85km entfernt. Mist. Ok, jetzt aber schneller, egal was mit dem Wagen ist. Es ist schon am Tage bei starkem Sonnenschein so kalt auf dem See, dass wir uns eine Übernachtung nicht vorstellen können. Wir geben mehr Gas und finden eine Spur, die vor uns schon LKW’s und einige Auto genommen haben. Wir folgen ihr und erleben die unterschiedlichsten Oberflächen des Sees. Mal sind es unregelmäßige Sechsecke, mal eine pockennarbige Oberfläche und dann wieder diese Sechsecke. Am unheimlichsten wird es als wir auf ca. 10 Kilomentern immer wieder bis zu 30cm große mit tief blauem Wasser gefüllte Löcher auftauchen sehen. Unser erste Gedanke war, jetzt sind wir mitten auf dem See und die Salzkruste ist schwimmt nur auf dem Wasser, wenn wir jetzt einbrechen. Wir weichen den Löchern aus und zwingen uns zur Ruhe, halten an und schauen sie uns an. Es besteht keine Gefahr des Einbrechens. Auf für uns nicht erklärliche Weise ist das Salz in den Löchern bis zu zwei Metern und mehr nicht mehr da, wie ausgespült. Wir erkennen die Dicke der Salzschicht, beruhigen uns und setzen unseren Weg fort. Immer häufiger müssen wir durch ausgeschwemmtes Salz fahren das große ringförmige Schwemmseen auf der Salzkruste hinterlässt. Nach zwei Stunden mit 50km/h und einigen Pausen erreichen wir das östliche Ufer, 15km nördlich von der Kleinstadt Uyuni. Unser Dicker ist sichtlich gezeichnet und von
oben bis unten mit einer Salzschicht bedeckt, die wie Schnee scheint. Wir hoffen am nächsten morgen in Uyuni das Auto gründlich waschen lassen zu können, denn der Gedanke an Salz und das viele Aluminium und die anderen Teile die dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden lassen mich diese Nacht nicht entspannt schlafen obwohl eines der verrücktesten Dinge auf dieser Reise erlebt haben. Am nächsten morgen finden wir prompt eine Waschanlage wo unser Auto zum ersten mal auf dieser Reise von allen Seiten gründlich waschen lassen. Danach sieht er fast ein wenig fremd aus ohne seinen schönen Dreck aber wir sind froh, dass das ganze Salz gründlich entfernt worden ist. Nach einem solchen Anfang freuen wir uns auf unsere nächsten Ziele.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Besuch der ALMA (Atacama Large Millimeter Array)

Wie erwähnt mussten wir leider unser Kletterparadies auf 3600m verlassen, da eine Invasion von 50 Jugendlichen aus Santiago das kleine Tal überrannte. Eigentlich auch nicht so schlimm, denn nach einer Woche autark in den Bergen waren unsere Vorräte komplett aufgebraucht. Zurück in San Pedro de Atacama konnten wir recht zügig diese auffüllen und mussten jetzt nur noch im Internet den Wetterbericht für die kommende Woche erfragen. Der Plan war nämlich, am Montag morgen zurück zufahren und weiter zu klettern. Leider waren die Aussichten für die kommenden zwei Woche mehr als schlecht und es stellte sich bald Ernüchterung ein. Aber wie so oft kommt von irgendwo her eine Alternative.
Es hält ein gelber Defender neben uns. Kennzeichen aus Deutschland. Wir lernen Eugen kennen, halten Smalltalk, quatschen übers Auto, wo wir waren, was wir vorhatten, was jetzt nicht geht, ach und „ ja cool wäre eigentlich wenn man die ALMA besuchen könnte“(ich).“ Ach klar, das geht bestimmt“,meint Eugen, „der US amerikanische Teil des Großprojektes hat einen technischen Projektleiter aus Deutschland den ich kenne.“ Ein Auto hupt, Eugen grüßt und meint, „schaut, das war Lutz“. Eugen bietet sich an Lutz zu fragen ob er einen Besuch abklären kann und wir würden uns dann später wieder treffen. Das Treffen klappt leider nicht an diesem Abend und auch die Verabredung, dass wir uns am Schlafplatz am Fluss treffen, da Eugen auch in seinem Auto wohnt und dort schläft, kommt auch nicht zustande, weil wir rechts statt links abbiegen und ganz wo anders raus kommen als geplant. Aber am nächsten Vormittag treffen wir uns wieder zufällig in der Stadt und da Sonntag ist und Eugen gerade für einen Deutschen arbeitet der ein Haus baut, lädt er uns zum Mittagessen auf die Baustelle ein, wo wir auch Lutz und seine Frau Elli treffen würden. Klar gerne. Bier hatten wir noch im Kühlschrank und außerdem war Sonntag.
Wir verbrachten einen gemütlichen Tag, bei gutem Essen und anschließendem Bierchen auf der Baustelle. Da es dann doch ein paar Bier mehr waren als gedacht, schliefen wir im Auto auf dem Grundstück. Am nächsten Tag waren wir zum Abendbrot bei Elli und Lutz eingeladen wo wir auch Chloe ihre zweijährige Tochter kennenlernten. Und das tollste war: „morgen Dienstag um 8:30 fahren wir zusammen hoch zur ALMA und ich zeige euch alles“, meint Lutz. „Eh, klar, wir sind da.“
Und dann fuhren wir hoch und es war einfach toll. Die ALMA ist ein Gemeinschaftsprojekt der USA, Europa und Japan. Ziel des Projektes ist es, durch Messung von Millimeter- und Submillimeterwellen im Bereich von z.B. Gasnebeln im All mehr über die Entstehung des Universums und dessen Zusammensetzung zu erfahren. Man hofft einen Blick auf die Entstehung von Sternen zu erhaschen und einige bis jetzt noch unbekannte Elemente zu entdecken. Die USA und Europa bauen je die Hälfte der Großantennen mit 12m Durchmesser, die später zu einer „großen“ Antenne zusammen geschaltet werden können. Der Teil der Japaner umfasst kleinere 7m und einige große 12m Antennen, die als Scanner den Himmel absuchen und festlegen wonach sich später die "große Antenne" ausrichten soll. Die Herausforderungen des Lastenheftes waren, dass alle Antennen bei einem breiten
Temperaturbereich und bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen ihre parabolische Form nicht verändern dürfen. Jetzt geht es hier nicht um Millimeter oder Zehntel, die Form der Spiegel muss in einer Toleranz von zwei gedachten, paraboloiden zu einander parallelen Ebenen von unglaublichen 25µm liegen. Gleichzeitig müssen alle 56 Antennen innerhalb weniger Millisekunden synchron ihre Peilung am Himmel ändern, da das Hauptmessverfahren eine Differenzmessung darstellt zu bekannten Fixpunkten im All. Konstruktiv unterscheiden sich die Antennen in ihren Antrieben (Linearantrieb in Europa und Japan; Servomotoren in USA) die Schüsselgrundkörper sind jedoch bei allen Kohlefaser und die Schnittstelle zwischen Gestell und Schüssel wird aus einem INVER-Stahlring hergestellt der keine Wärmeausdehnung besitzt . Vieles der Technik bei beiden Konstruktionen kommt aus Deutschland. Die Konstruktion der US amerikanischen Antenne kommt zu 100% aus einer deutschen Firma des US Konzerns und die Europäische Konstruktion wurde in Italien entworfen. Der Montageplatz und die Wissenschaftsgebäude befinden sich auf 2900m. Der eigentliche Antennenpark wird jedoch auf dem Chajnantor-Hochplateau in 5200m sein. Zum Transport der Antennen auf das Altiplano und zu Wartungszwecken wieder zurück werden zwei identische Spezialtransporter eingesetzt, die in Deutschland entwickelt und gebaut wurden. Die sieben achsigen, 28fach bereiften Fahrzeuge sind mit viel Elektronik und noch mehr Hydraulik ausgestattet. Die hydraulischen Komponenten des Antriebes kommen zu meiner Freunde aus dem Bosch-Rexroth Standort in Elchingen, an dem ich bis vor 10 Monaten noch gearbeitet habe. Somit auch von hier viele Grüße nach Bayern und Baden-Württemberg.
Für mich als Ingenieur war die Führung seitens Lutz fantastisch. Wir bekamen einen Einblick in die Montage der Antennen, die Herausforderungen, die die Konstruktion und die Anforderungen mit sich brachten. Was man so alles aus Kohlefaser erstellen kann und in welcher Größe und was INVER-Stahl ist und wie man mit der richtigen Entscheidung am Anfang der Montage die Effektivität deutlich zur Konkurrenz steigern kann. Der Montagetrupp unter der Leitung der USA hat nämlich nicht versäumt am Anfang eine Halle zubauen, in der mit Hilfe von Deckenkränen die Montage von Antenne zu Antenne effizienter wurde. Die Baustelle der Europäer ist leider ein prima Beispiel von „viele Köche verderben den Brei“ und Fehlentscheidungen am Projektbeginn. Da war nämlich eine Halle unnötig teuer und jetzt müssen die Arbeiter und Ingenieure bei Wind und Wetter die Montage unter freiem Himmel durchführen. Teilweise nur geschützt durch behelfsmäßig aufgestellte 40Fuss Container, die bei jeder großen Bewegung des Antennenfußes oder der Schüssel wieder versetzt werden müssen.
Nachdem wir uns die Montagehalle und eine Antenne von innen und außen genau anschauen konnten und Lutz uns den gesamten Montageprozess erklärt hatte, hatten wir Glück auf dem Antennenparkplatz der ALMA einen der Spezialtransporter in Aktion zusehen. Den anderen, geparkten, konnten wir dann in Ruhe genauer unter die Lupe nehmen. Bevor die Antennen auf das Hochplateau gebracht werden wird die Endjustierung des Parabolspiegels vorgenommen. Bei der Montage ist man in der Lage durch optisches Scannen eine Genauigkeit von 40µm zu erreichen. Der letzte Schritt wird dann zum Schluss von den ALMA Ingenieuren durchgeführt um die gewünschte Genauigkeit von 25µm zu erreichen.
Das schlechte Wetter während der Besichtigung konnte unseren Wissensdurst nicht mindern und außerdem sind normalerweise die Anden in diesem Teil Chiles nur sehr selten mit Schnee bedeckt und Wolken sind über einer Salzwüste auch eher selten. Zum Abschluss der Tour bekamen wir noch ein warmes Mittagessen bei Elli, vielen Dank noch mal dafür. Leider wurde das Wetter in den kommenden Tagen immer schlechter und wir beschlossen San Pedro zu verlassen und machten uns auf zum Pazifik.